Fluorchinolone – Antibiotika mit gefährlichen Nebenwirkungen

Fluorchinolone werden in Deutschland jedes Jahr millionenfach verschrieben. Die Reserveantibiotika werden offenbar zu häufig bei eigentlich harmlosen Infektionen eingesetzt. Dabei werden bleibende Nebenwirkungen in Kauf genommen.

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Antibiotika – lebensrettend oder gefährlich?

Antibiotika galten lange Zeit als das Wundermittel in der Medizin schlechthin – und das seit ihrer eher zufälligen Entdeckung durch den schottischen Bakteriologen Alexander Fleming. Er entdeckte die Eigenschaften des Penicillins. Über die Jahre hinweg rettete das Penicillin vielen Menschen das Leben, die vorher noch an bestimmten Infektionskrankheiten oder infizierten Wunden verstorben wären. Neben dem Penicillin wurden in den folgenden Jahrzehnten viele weitere Antibiotika auf den Markt gebracht, die unterschiedliche Wirkungsspektren besitzen. In der heutigen Zeit werden Antibiotika vorwiegend bei Infekten der Atemwege oder bei Harnwegsinfekten verabreicht. Schlagzeilen machen indes Antibiotika mit einem bestimmten Wirkstoff: die Fluorchinolone. Allerdings sind die Schlagzeilen eher negativer Natur, was auf die starken Nebenwirkungen zurückzuführen ist.


Was sind Fluorchinolone?

Antibiotika der Gruppe der Fluorchinolone werden als sogenannte Gyrasehemmer einstuft. Sie hemmen ein Enzym das die bakterielle DNA schädigt und somit die Bakterien zum Absterben bringt. Fluorchinolone gehören zur Untergruppe der Chinolone. Als “Reserveantibiotika” besitzen sie ein breites Anwendungsspektrum und zeigen Wirkung gegen Keime die bereits Resistenzen gegen übliche Antibiotika entwickelt haben. Allerdings sind auch gegen diese Alleskönner bereits Resistenzen festgestellt worden, beispielsweise gegen bestimmte Arten von Streptokokken. Interessant: Der Wirkstoff kommt nicht nur beim Menschen zum Einsatz, sondern wird auch in der Veterinärmedizin angewendet.

Gängige Antibiotika, die zu den Fluorchinolonen zählen, sind:

  • Ciprofloxacin
  • Norfloxacin
  • Lomefloxacin
  • Levofloxacin
  • Ofloxacin
  • Enoxacin

Wassertest-Online
Fluorchinolone machen negative Schlagzeilen

In die Schlagzeilen gerieten die Fluorchinolone, die übrigens schon sehr lange auf dem Markt sind, allerdings nicht wegen ihrer Wirkung als Antibiotika. Vielmehr sind es die zahlreichen Nebenwirkungen, die nach der Einnahme der entsprechenden Medikamente auftreten können. Mehrere Präparate mit diesem Wirkstoff mussten auch bereits wieder vom Markt genommen werden.


US-amerikanische FDA gibt Warnung heraus

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat diese Antibiotika mittlerweile als gefährlich eingestuft. Es gibt sogar eine aktuelle Sicherheitswarnung, dass die Präparate bei herkömmlichen Erkrankungen wie Bronchitis, Sinusitis oder relativ harmlosen Harnwegsinfekten nicht mehr verabreicht werden sollen. Als Reserveantibiotika sollten Ciprofloxacin und Co gemäß der FDA nur noch dann eingesetzt werde, wenn andere Antibiotika versagen.

Diesen Hinweis finden Patienten in den USA seit einiger Zeit gut sichtbar und extra hervorgehoben im Beipackzettel etwa von Ciprofloxacin, welches auch hierzulande häufig verschrieben wird – auch bei vermeintlich leichten und harmlosen Infekten. In der so genannten „Blackbox-Warning“ werden besonders gefährliche Nebenwirkungen hervorgehoben. Mit einem auffälligen Kasten umrahmt wird darauf hingewiesen, dass als Folge der Einnahme schwere, teils irreversible Schäden auftreten können. Zudem wird empfohlen, das Mittel nicht als bevorzugtes Präparat gegen die beschriebenen Beschwerden einzusetzen.

Ein Vorgehen, dass man sich auch von deutschen Behörden wünschen würde. Die Umsetzung einer gesetzlich vorgeschriebenen “Blackbox”-Warnung lässt allerdings auf sich warten. Und das trotz einer Vielzahl von gut dokumentierten Fällen mit schweren Nebenwirkungen und zahlreichen Medienberichten zu dem Thema. Es wiegt der Verdacht, dass wieder einmal die Interessen der Industrie über die der Verbraucher gestellt werden.


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen, die durch die Einnahme der Fluorchinolone auftreten können, sind gleichermaßen schwerwiegend wie vielfältig. So klagen viele Patienten nach der Einnahme über starke Gelenk-, Muskel- oder Sehnenschmerzen. Nicht zuletzt die stärkste Sehnde des menschlichen Körpers, die Achillessehne, droht durch die Einnahme von Fluorchinolonen zu reißen. Verschiedenen Erfahrungsberichten von Patienten zufolge, habe für das Auftreten schwerster Symptome und Schädigungen bereits die Einnahme von einer oder zwei Tabletten ausgereicht. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist offenbar dosisunabhängig, sodass auch geringe Mengen zu Schäden führen können. Auch bei Tieren konnten einige Nebenwirkungen festgestellt werden, etwa Schäden an der Knorpelsubstanz.

Zu den bereits genannten Beschwerden gesellen sich aber auch noch andere Nebenwirkungen. So können Fluorchinolone auch zu Schädigungen am zentralen Nervensystem führen. Kribbeln in den Händen und im Gesicht, Taubheitsgefühle, Netzhautablösungen oder sogar Angstzustände und Panikattacken seien bereits im Zusammenhang mit den Fluorchinolonen beobachtet worden. In welchem Ausmaß diese Schädigungen auftreten ist ebenso unsicher wie die Antwort auf die Frage, wie lange die Beschwerden auch nach dem Absetzen des Medikaments anhalten – sofern sie überhaupt reversibel sind. Die Folgen für die betroffenen Patienten können verheerend sein. Neben ständigen Schmerzen oder gar Panikattacken und Angstzuständen mit Suizidgefahr, kann auch eine Arbeitsunfähigkeit die Folge der Einnahme von Fluorchinolonen sein.

Mögliche, schwere Nebenwirkungen von Fluorchinolonen:

  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Sehnenschmerzen
  • Entzündungen der Gelenke
  • Erhöhte Gefahr von Sehnenrupturen (Achillessehne)
  • Tendinopathie (Erkrankung der Sehnen), Tendinitis (Sehnenentzündung)
  • Knorpelschäden (Gelenke, Meniskus, Bandscheiben)
  • Störungen der Kollagensynthese
  • Schäden der mitochondrialen DNA
  • multiple Nahrungsunverträglichkeiten
  • Angstzustände
  • Panikattacken
  • Suizidgefahr
  • Netzhautablösung

Gyrasehemmer führen zu DNA-Schäden

Der Wirkmechanismus der Fluorchinolone lässt sich durch die Hemmung bakterieller Gyrase-Enzyme erklären. Gyrasen dienen der Raumorientierung von DNA-Molekülen. Damit die Informationen der DNA “abgelesen” und so zur Bildung von lebensnotwendigen Proteinen herangezogen werden können, muss diese ständig während des Zellzyklus entwunden und wieder aufgewickelt werden. Gyrase sorgt sozusagen dafür, dass die DNA richtig gewickelt wird. Gyrasehemmer stören diesen Prozess in der bakteriellen DNA, was zum Absterben der Bakterien führt. Antibiotische Gyrasehemmer (Fluorchinolone) wirken auf die bakterielle Gyrase namens Topoisomerase Typ II, die in exakt dieser Form (Proteinstruktur) nur in Bakterien vorkommt.  Allerdings gibt es eine Ähnlichkeit zu menschlichen Topoisomerasen, sodass Fluorchinolone als Gyrasehemmer eine potentiell zellschädigende Wirkung bei uns Säugetieren haben.

Eine der am besten dokumentierten Nebenwirkungen von Ciprofloxacin und Co. sind Sehnenrisse und allgemein Tendinopathien. Diese lassen sich durch einen Rückgang der Chondrozyten und Tendinozyten und einer veränderten extrazellulären Matrix erklären. Dabei wird auch die Kollagen-Synthese gestört. Kollagen ist ein stabilisierendes, strukturgebendes Protein der Bindegewebe, zu denen auch Sehnen und Gelenkknorpel zu rechnen sind.

Um den Schäden entgegenzuwirken erscheint es sinnvoll, Supplemente wie Vitamin C, Mangan, Glycin, Prolin und Hyaloronsäure zur Optimierung der Kollagensynthese einzunehmen. Des Weiteren könnte an Jod zur Entgiftung des Fluoranteils und an Magnesium als Co-Faktor der Gyrasen gedacht werden.


Gehen deutsche Behörden zu lax mit diesen Präparaten um?

Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass der Umgang mit diesem Präparat nicht so ist, wie er sein sollte. Ein Indikator dafür ist zum Beispiel die fehlende, bereits erwähnte Blackbox-Warnung nach US-amerikanischem Vorbild. Zwar werden mögliche Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten in der Packungsbeilage aufgelistet – wer jedoch schon einmal einen Beipackzettel gelesen hat, weiß, wie schnell man dort den Überblick verlieren kann. Kritiker monieren zudem, dass der Patient als Laie auf dem Beipackzettel mitunter harmlose Nebenwirkungen direkt neben den schweren Nebenwirkungen findet. Die Einbindung einer Blackbox-Warnung ist bisher nicht in Planung.

Es fällt auf, dass vor allem das Präparat mit dem Namen Ciprofloxacin besonders häufig verordnet wird. Statistiken zufolge weisen die Verkaufszahlen auf mehrere Millionen Packungen pro Jahr hin. Auch hier sehen Kritiker eine grobe Fahrlässigkeit und ein insgesamt zu lasches Vorgehen. Sie monieren, dass die Patienten nicht genug über die teilweise sehr schweren Nebenwirkungen aufgeklärt würden.

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Das BfArM reagiert auf den öffentlichen Druck

Immerhin, durch den Druck der öffentlichen Berichterstattung tut sich endlich was. In einer Pressemitteilung lässt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM am 10.02.2017 verlautbaren, dass es eine europäisches Risikobewertungsverfahren anstößt (BfArM, 2/2017). Man möchte das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Fluorchinolone und Chinolone neu überprüfen, insbesonders bei der Behandlung weniger schwerwiegender Infektionen wie Sinusitis und unkomplizierten Harnwegsinfektionen. Bis die Überprüfungen abgeschlossen sind, beruft man sich auf die „individuelle Entscheidung des ärztlichen Fachpersonals“.

Anfang Mai 2017 berichtete dann auch die AOK in einer Pressmitteilung über die neue Risikobewertung durch die Europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMA), die durch das BfArM angestoßen wurde.

Die AOK stellt in ihrem Bericht fest, dass Fluorchinolone im Jahr 2015 mit knapp 5,9 Millionen Verordnungen die viertgrößte Gruppe der Antibiotika darstellten. Rund 70 Prozent der Verordnungen, gemessen an niedergelassenen Ärzten, würden von Hausärzten vorgenommen. Das ließe darauf schließen, dass Fluorchinolone nicht allein bei schwerwiegenden Erkrankungen eingesetzt würden. In Anbetracht dessen bleibt zu hoffen, dass das BfArM und die EMA ihre Risikobewertung zügig durchführen und mit den notwendigen Warnungen Patienten und vor allem Ärzte für das Thema sensibilieren.


Die Resistenz als weitere Gefahr

Wenn man sich mit dem Thema Antibiotika befasst, dann weiß man, dass diese Präparate nicht bei jedem kleinen Infekt verordnet und eingenommen werden sollten. Der Grund ist klar: Zwar kommt der Patient so mitunter schneller wieder auf die Beine – doch die Bakterien können mit der Zeit eine Resistenz gegenüber den Antibiotika entwickeln. Tritt dieser Fall ein, dann wird das Medikament im schlimmsten Fall wirkungslos, da der Erreger nicht mehr bekämpft werden kann. Die Wirkstoffe können dem Erreger schlichtweg nichts mehr anhaben.

Fatal ist dies im Fall der Fluorchinolone deshalb, da diese eigentlich zu den so genannten „Reserve-Antibiotika“ gehören, welche nur bei schweren Infektionen zum Einsatz kommen sollten. Mediziner warnen davor, dass mehr Menschen an Infektionen mit resistenten Keimen sterben werden, wenn sich vermehrt Resistenzen gegen die Notfall-Antibiotika entwickelten. Vor allem bei so häufig verordneten Medikamenten wie Ciprofloxacin besteht die Gefahr, dass die Erreger irgendwann eine Resistenz entwickeln, wie es bereits bei einigen anderen Antibiotika der Fall ist.


Pflanzliche Antibiotika als Alternative bei harmlosen Infekten

Bei eher harmlosen Infektionen stellen pflanzliche Antibiotika eine Alternative dar. Nebenwirkungen sind hier sehr viel seltener und harmloser, Resitenzbildung als Problem unbekannt. Die natürliche Darmflora wird geschont und der Organismus wird im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie gestärkt. In Kombination mit immunstärkenden Nährstoffen wie Vitamin D, Zink und Vitamin C und einer Stärkung der Darmflora, können künftige Infekte vermieden werden.


Hyaloronsäure zur Reparatur von Kollagenschäden

Eine der bekanntesten Nebenwirkungen von Fluorchinolonen sind Sehnenrisse. Sehnen bestehen ähnlich wie Knorpel (Menisken, Bandscheiben) und Knochengrundsubstanz aus kollagenem Bindegewebe. In einer Studie konnten Forscher zeigen, dass Chinolone wie Levofloxacin die Bindegewebszellen (Fibroblasten) ihn ihrer Fähigkeit Hyaloronsäure zu produzieren, hemmten (Tan, 2012). Dies legt nahe, dass die Einnahme von Hyaloronsäure zur Regeneration der durch die Chinolone geschädigten Bindegewebe und Knorpel beiträgt.


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Quellen

AOK: Mehr als jede sechste Antibiotikaverordnung unter Beobachtung. AOK Bundesverband Online, Pressmitteilung online vom 02.05.17 (Link zur Pressemitteilung)

BfArM: Fluorchinolone und Chinolone: BfArM stößt europäisches Risikobewertungsverfahren an. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte online, Pressemitteilung Nr. 6/17, 10.02.2017 (Link zur Pressemitteilung) 

Daneman et al: Fluoroquinolones and collagen associated severe adverse events: a longitudinal cohort study. BMJ Open. 2015 Nov 18;5(11):e010077. (Link zur Studie)

FDA: FDA Drug Safety Communication: FDA updates warnings for oral and injectable fluoroquinolone antibiotics due to disabling side effects. 26.07.2016 (Link zur Pressemitteilung)

Golomb et al: Fluoroquinolone-induced serious, persistent, multisymptom adverse effects. BMJ Case Rep. 2015 Oct 5;2015. pii: bcr2015209821. (Link zur Studie)

Kim: The Risk of Fluoroquinolone-induced Tendinopathy and Tendon Rupture. J Clin Aesthet Dermatol. 2010 Apr; 3(4): 49–54. (Link zur Studie)

Tan et al: The effects of levofloxacin on rabbit fibroblast-like synoviocytes in vitro. Toxicol Appl Pharmacol. 2012 Dec 1;265(2):175-80. doi: 10.1016/j.taap.2012.10.003. Epub 2012 Oct 12. (Link zur Studie)

Wang et al: Cytotoxic effects of the quinolone levofloxacin on rabbit meniscus cells. J Appl Toxicol. 2014 Aug;34(8):870-7. doi: 10.1002/jat.2903. Epub 2013 Jul 1. (Link zur Studie)

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