Natürliche Alternativen zu Antibiotika – pflanzliche Antibiotika

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Antibakterielle Pflanzenstoffe statt Chemiekeule

Die Naturmedizin hält zahlreiche effektive Wirkstoffe bereit, die facettenreich einsetzbar sind. Diesbezüglich können entzündliche Prozesse, Magen-Darm-Beschwerden sowie Haut- und Pilzerkrankungen sanft gelindert werden. Insbesondere bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten nehmen antibakterielle Pflanzenstoffe eine Schlüsselrolle ein. Bei vielen leichteren Infektionen können sie herkömmliche Antibiotika ersetzen, bei schwereren bakteriellen Infekten sinnvoll ergänzen. Da chemische Antibiotika unerwünschte Nebenwirkungen und immunschwächende Effekte induzieren können, steigt die Nachfrage nach natürlichen Alternativen weiter an. Dieser Trend basiert sicherlich auch auf einem wachsenden Bewusstsein für Ursprünglichkeit, Gesundheit und Nachhaltigkeit, der sich klar gegen Chemiekonzerne positioniert.

Antibiotika und resistene Keime – MRSA

Während Antibiotika die neue Wunderwaffe des 20. Jahrhunderts waren, dreht sich im 21. Jahrhundert das Blatt. Gefährliche Infektionskrankheiten wie Syphilis, Tuberkulose oder die Pest haben seit dem Mittelalter viele Millionen Menschen dahin gerafft und galten als Schrecken der Menschheit. Durch die Entdeckung von Penicillin und vieler weiterer Antibiotika begann der Siegeszug gegen diese Krankheiten. Und sie sind ohne Frage weiterhin unverzichtbar. Allerdings haben sich durch den massiven Gebrauch dieser Chemotherapeutika immer mehr Resistenzen herausgebildet. Diese sind zu einer neuen Gefahr geworden.

Allein in Deutschland sterben mittlerweile Jahr für Jahr 20.000 Menschen an Krankenhauskeimen wie dem MRSA (Multiresistener Staphylococcus aureus), wie im HKK-Gesundheitsreport 2013 festgestellt wurde. Neben mangelnder Krankhenhaushygiene – die Niederlande machen es deutlich besser wie aus dem HKK-Report hervorgeht – sind unnötige Antibiotika-Verschreibungen bei eigentlich harmlosen Infekten entscheidend an der gefährlichen Resistenzbildung beteiligt. Zu häufig verschreiben Hausärzte Antibiotika bei eigentlich harmlosen bakteriellen Infekten oder gar bei Virusinfektionen, die mit Antibiotika nicht zu behandeln sind.

Immerhin, dass Bewusstsein für die vermeidbare Resistenzbildung steigt. Wie aus der Verordnungsbilanz der IKK Südwest hervorgeht, steigt die Nachfrage und Anwendung von alternativen Therapien wie der Homöopathie, während die Zahl der Antibiotika-Verschreibungen langsam abnimmt. Durch sorgfältige Abwägung und Erregerdiagnostik kann die Anwendung von nebenwirkungsreichen und resistenzfördernden Antibiotika minimiert werden. Für leichtere Infekte können natürliche Antibiotika eingesetzt werden und so gefährlicher Resistenzbildung vorgebeugt werden. Auch häufige Nebenwirkungen wie eine geschädigte Darmflora, Darmentzündungen oder mitochondriale Schädigungen durch Antibiotika können so minimiert werden.

Antibiotisch wirksame Arzneipflanzen

Seit Jahrtausenden werden antibiotisch wirksame Arzneipflanzen in allen Kulturen erfolgreich für die Gesundheit eingesetzt. Mediziner und Heilkundige vom alten Ägypten über die Antike und das Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert nutzten die facettenreiche Natur, um zahlreiche Beschwerden zu lindern. Im Mittelalter brachten insbesondere die Benediktiner zahlreiche Arzneipflanzen nach Europa. Durch das Kultivieren in den Klostergärten wurden die Heilwirkungen genau studiert und weitergetragen. Dieses traditionelle Wissen kann heute – modernen Test- und Herstellungsverfahren sei Dank – effektiv als Alternative zu synthetisch-chemischen Medikamenten genutzt werden. Während früher Pflanzenauszüge, Tees und Cremes verwendet wurden, gibt es heute zusätzlich hochkonzentrierte Tabletten, die bei ausgeprägten Entzündungen effektiv – und dennoch natürlich – wirken. In diesem Zusammenhang sind Senföle zu nennen, die bereits in der traditionellen Klostermedizin zur Phytotherapie von Infektionen der Atemwege und der Harnwege angewendet wurden.

Kapuzinerkresse – ‘Floraler Star’ der natürlichen Antibiotika

Aufgrund ihrer gesundheitlichen Pluspunkte hat der ‘Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde’ der Universität Würzburg die ‘Große Kapuzinerkresse’ zur Arzneipflanze des Jahres 2013 auserkoren. Denn die rankende Pflanze, die mit Vorliebe über Gartenmauern klettert, hat weit mehr zu bieten als ihre leuchtende Blütenpracht. Während uns der Anblick der brillant gelben, orangenen oder roten Blüten verzückt, besitzt die südamerikanische Pflanze hochkonzentrierte Senfölglykoside. Diese so genannten Glucosinolate gehören zur Kategorie sekundäre Pflanzenstoffe, die in der Pflanzenwelt zum Schutz vor mikrobiellem Befall und Fressfeinden fungieren. In puncto Ernährung spielen die charakteristisch scharfen Nuancen auch für den Menschen eine bedeutsame Rolle, da sie unter anderem antibakteriell wirken.

Senföle als pflanzliche Geheimwaffe

Entsprechend des Namens sind auch in Senf, Meerrettich oder Radieschen Senföle enthalten, die ihre Schärfe beim Genuss entfalten. Diese sekundären Pflanzenstoffe können nicht nur das Wachstum von Bakterien hemmen, sondern sie wirken auch antiviral und antifungal. Somit kann nicht nur die Pflanze, sondern auch der Mensch das gesundheitliche Potential von Kapuzinerkresse und Co. nutzen. Im Vergleich mit zahlreichen Heilkräutern, deren Wirkspektrum noch nicht wissenschaftlich entschlüsselt wurde, zählen die Senföle zu den am besten untersuchten arzneilichen Pflanzeninhaltstoffen. Diesbezüglich konnte die Dreifachwirkung gegen Bakterien, Viren und auf Entzündungen anhand zahlreicher Studien belegt werden. Auch die Verlängerung der beschwerdefreien Intervalle bei Erkältungen und chronischen Entzündungen der Atemwege und der Blase gilt als gesichert.

Phytotherapie mit Kapuzinerkresse und Meerrettich

Da für eine effektive Wirkung bei Erkrankungen eine ausreichende Dosierung notwendig ist, gibt es mittlerweile ausreichend hochdosierte Präparate. Diese pflanzlichen Wirkstoffe – beispielsweise auf Basis von Kapuzinerkresse und Meerrettich – werden in akuten Phasen als Stoßtherapie angewendet. Darüber hinaus wirken sie auch immunstimulierend. Entsprechend sind diese konzentrierten Senfölglykoside als Alternative zu Antibiotika bei Blasenentzündungen, bei Atemwegsinfekten oder bei Nasennebenhöhlenentzündungen geeignet. Aufgrund der Studienlage gewährleistet eine Medikation mit konzentrierten Senfölen – im Mix aus Kapuzinerkresse und Meerrettich – auch aus schulmedizinischer Sicht eine effektive Waffe. Bei einer erhöhten Infektanfälligkeit kann die Medikation in niedrigerer Dosierung auch protektiv angewendet werden.

Vorteile natürlicher Antibiotika aus dem Pflanzenreich

Im Gegensatz zu synthetischen Antibiotika besitzen antibiotisch wirksame Pflanzenstoffe wie Glucosinolate keine negativen Effekte auf das Immunsystem. Während bei einer Medikation mit einer antibiotischen ‘Chemiekeule’ auch nützliche Bakterien abgetötet werden, überleben immunstärkende Darmbakterien im Rahmen einer Phytotherapie mit Senfölen. Dadurch wird ein zusätzlicher immunstimulierender Effekt – inklusive natürlicher Darmflora – ermöglicht. Dieser Aspekt basiert auf der Beobachtung, dass die Senföle bereits im oberen Darmabschnitt ins Blut gelangen. Nach der Aufnahme ins Blut zirkulieren die Glucosinolate – an Eiweiße gebunden – im Kreislauf und entfalten ihre Wirkung in den Atem- und Harnwegen, wo sie gezielt abtötend gegenüber pathogenen Keimen wirken.

Im Vergleich mit gängigen Medikamenten, die häufig nur die Beschwerden lindern, wirken Senföle direkt auf die pathogenen Erreger. Dadurch wird gewährleistet, dass nicht nur die Symptome oberflächlich unterdrückt werden, sondern auch die eigenen Abwehrreaktionen unterstützt werden. Bei den bereits seit Jahrhunderten als Phytotherapie genutzten Senfölen konnten bisher keine Resistenzen beobachten werden. Dieser Aspekt ist ein weiterer Vorteil, der klar gegen synthetisch-chemische Antibiotika bei leichteren Infekten spricht. Auch Kinder – die aufgrund eines noch nicht voll entwickelten Immunsystems – besonders anfällig für Infekte sind, können von Senfölen profitieren. Nicht zuletzt sprechen die gut verträglichen und leicht fiebersenkenden Effekte für eine Phytotherapie mit Senfölen.

Natur pur oder pflanzliche Präparate?

Pflanzliche Alternativen in konzentrierter Form sind synthetisch-chemischen Antibiotika aus den beschrieben Gründen vielseitig überlegen. Wer es dennoch ganz natürlich favorisiert, kann auf die pure Pflanzenkraft von Kohlgemüse wie Brokkoli oder Rosenkohl, Rucola, Kresse oder Schwarzrettich setzen. Bei der Zubereitung sollte darauf geachtet werden, das Gemüse zu zerkleinern bzw. gründlich zu kauen. Dadurch wird die Resorption der antibiotischen Senföle intensiviert. Gleiches gilt für den möglichst rohen Verzehr. Beim Kauen werden die Zellen aufgebrochen und das pflanzeneigene Enzym Myrosinase setzt – ursprünglich zum Schutz vor Feinden – die Senföle frei. Obwohl der regelmäßige Genuss senfölhaltiger Lebensmittel durchaus keimhemmende Effekte entfalten kann, ist bei einer akuten Blasen- und Nebenhöhlenentzündung ein hochdosiertes Präparat vorzuziehen.

Antibiotisch wirksame Lebensmittel – Gesunder Genuss

Als Alternative zu Antibiotika hat sich auch ein häufiger Verzehr von Knoblauch, Ingwer und Zwiebeln bewährt. Antibakteriell wirksamer Ingwer hilft insbesondere – auch aus wissenschaftlicher Sicht – bei entzündlichen Prozessen und bei Schmerzen. Diese Effekte basieren u. a. auf den ätherischen Ölen und der aromatischen Substanz Gingerol, die auch für die charakteristisch scharfen Nuancen der Knolle verantwortlich ist. Dieser Stoff zeigte in Untersuchungen auch hemmende Effekte auf Bakterien des Typs Helicobacter, die eine Magenschleimhautentzündung auslösen können.

Der Wirkstoff Allicin aus Knoblauch, Zwiebeln oder Schnittlauch kann das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen. Er besitzt darüber hinaus leicht antivirale und entzündungshemmende Effekte. Weitere schwefelhaltige Verbindungen aus Zwiebeln können ebenfalls antibiotisch wirken. Auch Kamille, Oregano, Thymian und Salbei werden antibakterielle Effekte zugeschrieben. Während die ätherischen Öle von Oregano und Thymian insbesondere in den Atemwegen und im Verdauungssystem wirksam sind, bekämpfen Kamille und Salbei Bakterien des Mund- und Rachenraums.

‘Kulinarische’ Inspirationen, die Bakterien vertreiben

Während sich zum Verfeinern von einer Scheibe Brot besonders selbst gezogene Kresse und Schnittlauch eignet, schmecken Brokkoli und Rosenkohl auch roh mariniert köstlich. Von letzterem einfach die einzelnen Blätter ablösen und in einer Marinade aus Öl, etwas Orangensaft, Knoblauch, Salz, Pfeffer und etwas Honig – auf natürliche Weise – aromatisieren lassen. Salate werden wiederum mit Rucola, Radieschen und ein paar Blüten einer Kapuzinerkresse zum wahren Hingucker und zu einem gesundem Genuss. Klein gewürfelter und glasig gedünsteter Knoblauch und Zwiebeln eignen sich eigentlich als aromatische Basis für alle herzhaften Speisen wie Gemüsepfannen, Suppen, Eintöpfe und Co. Gleiches gilt für Tomatensoßen zu Pasta oder auf Pizza, die zusätzlich mit frischem Oregano, Salbei und Thymian harmonieren und mit einer Extraportion Rucola vollendet werden können.


Fazit

Antibiotisch wirksame Substanzen aus Lebensmitteln – und pflanzliche Präparate mit Senfölen – stellen eine natürliche Alternative zu synthetisch-chemischen Antibiotika dar. Bei schwerwiegenden Krankheitsverläufen mit Fieber und Schmerzen sollte allerdings mit einem Arzt abgestimmt werden, ob eine Phytotherapie ausreichend ist.

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