Mitochondriale Dysfunktion bei Depressionen

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In Deutschland erkrankt etwa jeder Fünfte im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer Depression. Die Häufigkeit scheint in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen zu haben. Zumindest sagt das die Statistik. Die möglichen Ursachen einer depressiven Erkrankung sind vielfältig. Was bisher offenbar übersehen wurde, ist der Zusammenhang von mitochondrialer Dysfunktion und Depressionen.


Müdigkeit und Kraftlosigkeit durch ATP-Mangel

In einer Studie der Universität Ulm (Institut für Psychologie und Pädagogik, Abt. Klinische & Biologische Psychologie) untersuchte man die Rolle mitochondrialer Dysfunktion bei der Entstehung von Depressionen. Typische Symptome einer Depression wie Müdigkeit, Energiemangel und Konzentrationsprobleme könnten zumindest teilweise durch einen Mangel an ATP (Adenosintriphosphat) erklärt werden. ATP ist der „Kraftstoff“ unserer Körperzellen, der dort in den Mitochondrien produziert wird.


Schwere der Depression korreliert mit mitochondrialer Störung

Um der Frage auf den Grund zu gehen, untersuchte man die mitochondriale Atmung in peripheren mononukleären Zellen (PBMCs) von 22 Personen mit einer schweren Depression. Die Ergebnisse verglich man mit einer Kontrollgruppe von 22 gesunden Personen. Im Vergleich zu den Gesunden zeigten die Personen mit Depression eine signifikante Beeinträchtigung der mitochondrialen Funktion mit deutlich verminderter ATP-Gewinnung. Zudem korrelierte die Schwere der depressiven Symptome signifikant mit der Abschwächung der mitochondrialen Atmung. Dies traf insbesondere auf die Begleitsymptomatik von Müdigkeit, Energieverlust und Konzentrationsschwierigkeiten zu.


Therapie der Mitochondrien zur Behandlung von Depressionen

Die Forscher schlossen aus den Ergebnissen, dass die mitochondriale Dysfunktion zur biomolekularen Pathophysiologie depressiver Symptome beiträgt. Auch die verminderte Immunfunktion die im Rahmen von schweren Depressionen beobachtet würde, könnte auf einen Energiemangel aufgrund einer mitochondrialen Dysfunktion zurückzuführen sein. Und genau deshalb könnte eine Therapie der mitochondrialen Störung sowohl einen Ansatz für die Behandlung von Depressionen als auch von immunologischen Problemen darstellen.


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Mitochondrienmedizin im Kommen

Das Ergebnis der beschriebenen Studie ist bemerkenswert. Doch die Idee, chronische Krankheiten über eine Verbesserung der mitochondrialen Funktion zu behandeln, ist nicht neu. Forschung auf dem Gebiet gibt es reichlich. Allerdings hält die Schulmedizin an der Meinung fest, dass nur eine sehr begrenzte Zahl von Erkrankungen auf Schäden der Mitochondrien beruht. Bei diesen handele es sich um angeborene, vererbte Schädigungen mit genetischen Mutationen von Enzymen des Mitochondrienstoffwechsels. Die Genpolymorphismen befinden sich entweder direkt auf der mitochondrialen DNS oder stammen aus Genen des Zellkerns die Proteine für die Mitochondrien kodieren. Symptome solcher angeborenen Mitochondriopathien zeigen sich meist schon im Kindesalter und betreffen vor allem die Muskulatur und das Nervensystem. Die Erkrankungen gelten aufgrund der Genschäden als unheilbar.

Von der Schulmedizin nicht anerkannt sind sogenannte erworbene Mitochondriopathien, die jedoch seit Jahren von Alternativmedizinern postuliert werden. Sie bringen zahlreiche Zivilisationskrankheiten mit Störungen der Mitochondrienfunktion in Verbindung, ohne dass es sich hierbei um spezielle Genschäden handeln muss. Vielmehr werden Umweltfaktoren wie Ernährung, chronischer Stress, Mangel an essentiellen Mikronährstoffen und Toxine als mögliche Auslöser in Betracht gezogen. Mit der Mitochondrienmedizin hat sich ein regelrechter neuer Wissenschaftszweig innerhalb der Medizin gebildet. Er vereint die Erkenntnisse moderner wissenschaftlicher Forschung mit einer ganzheitlichen Betrachtungweise. In der Therapie von chronischen Erkrankungen nutzt die Mitochondrienmedizin modernste Labormedizin sowie naturheilkundliche und alternativmedizinische Konzepte.

 


Quellen

Karabatsiakis, Kolassa, et al: Mitochondrial respiration in peripheral blood mononuclear cells correlates with depressive subsymptoms and severity of major depression (Die mitochondriale Atmung in peripheren mononuklearen Blutzellen korreliert mit depressiven Subsymptomen und der Schwere einer Major Depression). Institut für Psychologie und Pädagogik. Abt. Klinische & Biologische Psychologie, Universität Ulm. Citation: Translational Psychiatry (2014) 4, e397; doi:10.1038/tp.2014.44. Published online 10 June 2014 (Link zur Studie). 

Kuklinksi: Mitochondrien – Symptome, Diagnose und Therapie. Aurum Verlag, 2016

Wittchen, u.a.: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 51. Depressive Erkrankungen. Herausgeber: Robert Koch-Institut, Berlin 2010 (Link zur Studie).

 

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