Stuhltransplantation lindert Symptome einer hepatischen Enzephalopathie

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Ganzheitlich gefragt: Was hat der Darm mit der Leber zu tun?

Auf dem internationalen Leberkongress vom 19. – 23. April 2017 in Amsterdam wurde eine neue Studie über die Wirkung einer Stuhltransplantation (von gesunden Spendern) bei Patienten mit Leber-Enzephalopathie vorgestellt. Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Die kognitiven Funktionen der Patienten besserten und die Zahl der Krankenhausaufenthalte verringerte sich.

Demnach hat die Zusammensetzung der Darmflora einen Einfluss auf den Verlauf von schweren Lebererkrankungen. Es zeigt sich wieder einmal die Bedeutung einer gesunden Darmflora für den ganzen Organismus, nicht nur für den Darm selbst.


Leber-Enzephalopathie ist ein schwerwiegendes Krankheitsbild

Im enterohepatischen Kreislauf zwischen Dünndarm und Leber wird giftiges Ammoniak aus dem Darm zur Leber gebracht. Die gesunde Leber kann dieses zu Harnstoff entgiften.

Mit Leber-Enzephalopathie (hepatische Enzephalopathie) ist eine Abnahme der Hirnfunktionen aufgrund einer schweren Lebererkrankung (z.B. Leberzirrhose) gemeint. Aufgrund einer Leberschädigung ist das Organ nicht mehr in der Lage, ausreichend Toxine zu entgiften. Die Stoffwechselgifte, allen voran Ammoniak, überfluten das Nervensystem und können zu irreparablen Schäden führen.

Zu den Symptomen einer hepatischen Enzephalopathie gehören Verwirrung, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, sowie Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsschwankungen. Schreitet die Erkrankung fort, kann es zu Angstzuständen, Krampfanfällen, schwerer Verwirrung, verschwommener Sprache und motorischen Störungen kommen.

Da die Ursache meist eine bleibende Schädigung der Leber ist (Leberzirrhose), wird versucht die Produktion und Absorption von Toxinen (wie Ammoniak) zu minimieren. Das gelingt zumindest teilweise mit Lactulose und Rifaximin. Lactulose reduziert die Ammoniakbildung im Darm und Rifaximin ist ein lokal wirkendes Breitbandantibiotikum, das ammoniakbildende Bakterien tötet.

Die einzige Hoffnung auf Heilung besteht dann in einer Lebertransplantation, da es sich bei einer Leberzirrhose um eine unheilbare Schädigung des Entgiftungsorgans handelt. Umso erstaunlicher, dass eine Behandlung des intestinalen Mikrobioms (der Darmflora) die Symptome eines solch schwerwiegenden Krankheitsbildes bessern kann.


Stuhltransplantation kombiniert mit Antibiotika-Gabe

Die Forscher teilten 20 Männer mit Leberzirrhose in 2 Gruppen auf. Eine Gruppe erhielt die standardisierte Behandlung mit Lactulose und Rifaximin. Die andere Gruppe erhielt das Antibiotikum für 5 Tage plus eine Fäkal-Transplantation von einem gesunden Spender und Lactulose. Der Spenderstuhl wurde als Einlauf gegeben. Insgesamt wurden die Patienten 150 Tage lang beobachtet.


Signifikante kognitive Verbesserung in der Stuhltransplantations-Gruppe

Die Patienten in der Stuhltransplantations-Gruppe hatten eine signifikante Verbesserung ihrer kognitiven Funktionen verglichen mit der Kontrollgruppe. Diese wurden mit dem psychometrischen hepatischen Enzephalopathie-Score (PHES) gemessen.

Zudem erhöhte die Fäkaltransplantation auch vorteilhafte Stämme von Bakterien, einschließlich Bifidobakterien und Laktobazillen.

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Häufigkeit der Krankenhausaufenthalte geringer durch Stuhltranplantation

Auch die Häufigkeit und Dauer von Krankhausaufenthalten und Re-Hospitalisierung (wiederholte Einweisung ins Krankhaus) konnten signifikant durch die Stuhltransplantation reduziert werden. Dies ist nicht nur eine Entlastung für die Patienten, sondern auch für das Gesundheitssystem, da Kosten für längere Krankenhausaufenthalte eingespart werden können.


Das eigene Mikrobiom pflegen

Die Bedeutung des Darmmikrobioms für unsere Gesundheit wird durch diese Studien wieder einmal untermauert. Andere Studien haben bereits Zusammenhänge der Darmflora unter anderem zu chronischen Darmerkrankungen, Autoimmunkrankheiten und chronischem Müdigkeitssyndrom (CFS) aufzeigen können.

Die Pflege des eigenen Mikrobioms ist also ein wichtiger Faktor für die Prävention und Behandlung von chronischen Krankheiten. Nicht jeder möchte oder kann im Krankheitsfalle eine Stuhltransplantation bei sich durchführen lassen. Drum ist es wichtig, dem kleinen Ökosystem in unserem Darm die nötige Pflege zukommen zu lassen. Hier sind eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig. Diese sollte reich an Ballaststoffen sein, denn diese ernähren unsere Darmflora. Auch probiotische Bakterien sollten regelmäßig zugeführt werden. Entweder über den Verzehr von fermentierten Speisen wie Sauerkraut und Kefir. Oder über die gezielte Einnahme spezieller probiotischer Drinks oder Pulver. Meiden sollte man den (unnötigen) Gebrauch von Antibiotika oder den Verzehr von Konservierungsstoffen. Denn beides schädigt unsere Darmflora und führt in der Folge zu einer vermehrten Ansiedelung von krankhaften Keimen.

Auch regelmäßige Fastenkuren und eine Darmreinigung mit Flohsamenschalen und Heilerde, können das Ökosystem in unserem Darm regulieren helfen.


Quelle

Bajaj: Faecal microbiota transplantation improves cognitive impairment caused by recurrent severe liver disease. International liver congress (ILC) 2017, EASL, Amsterdam, 2017. (Pdf zum Protokoll des Vortrags)

 

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