Histaminintoleranz und weibliche Geschlechtshormone – Östrogen verstärkt HIT

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Histaminintoleranz beschreibt die Überreaktion des Körpers auf Histamin, sobald eine bestimmte Konzentration überschritten ist. Die Belastungsgrenze gegenüber Histamin ist individuell von Mensch zu Mensch verschieden. Das macht die Diagnose einer Histaminintoleranz so schwierig. Hinweise gibt jedoch unter anderem die Messung des Enzyms Diaminooxidase (DAO) im Blutserum, das am Abbau von Histamin beteiligt ist. Besonders häufig leiden Frau unter Histaminintoleranz (kurz: HIT), denn es gibt eine Wechselwirkung zwischen dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen und Histamin. Zyklusabhängige Beschwerden, PMS und allergische Symptome können somit im Zusammenhang stehen. Diese Erkenntnis kann die Diagnose und Behandlung einer Histaminintoleranz deutlich erleichtern.


Histamin und Störungen im Histaminhaushalt

Bei Histamin handelt es sich um eine körpereigene Substanz, die aber auch über die Nahrung aufgenommen wird. Histamin erfüllt viele wichtige Funktionen als Botenstoff, zum Beispiel im Rahmen von allergischen Reaktionen. Steigt der Histaminspiegel aber über die Belastungsgrenze, kommt es zu spezifischen Reaktionen. Die Histaminintoleranz kann auch durch eine Abbaustörung versursacht oder verstärkt werden.

Zur Diagnose dient die Messung der Diaminooxidase (DAO) im Serum oder die vergleichende Messung von Histamin und Histaminmetaboliten im Urin. Durch eine Berechnung des Verhältnisses der Stoffwechselprodukte des Histamins kann die Aktivität der histaminabbauenden Enzyme DAO und HNMT (Histamin-N-Methyltransferase) bestimmt werden. Auch eine Ernährungstagebuch kann helfen, eine HIT zu diagnostozieren. Treten vermehrt Symptome nach dem Verzehr histaminreicher Speisen (siehe weiter unten) auf, liegt der Verdacht einer Intoleranz nahe.


Der Zusammenhang zwischen Histamin und weiblichen Geschlechtshormonen

Histamin wird an verschiedenen Stellen des Körpers produziert. Dazu gehören u. a. die Nervenzellen, aber auch Mastzellen in den verschiedenen Organen, so auch im Uterus (Gebärmutter) und in den Ovarien (Eierstöcke). Bei einer Histaminintoleranz zeigen sich die Symptome daher auch in Abhängigkeit vom weiblichen Zyklus. Typisch dafür sind:

  • zyklusabhhängige Kopfschmerzen
  • Dysmenorrhoe (Schmerzen während der Regel)
  • Krampfartige Schmerzen im Unterbauch
  • Juckreiz an der Scheide und anderen Körperstellen

Progesteron mildert Östrogenwirkung und HIT ab

Die Prozesse werden durch eine zunehmende Bildung von Prostaglandin in der Gebärmutterschleimhaut ausgelöst. Die Ausschüttung von Östrogen verstärkt die Reaktion. Im Normalfall wird das jedoch durch Progesteron wieder deutlich abgemildert. Histamin verstärkt allerdings die Wirkung von Östrogen. Es kommt zu den genannten Reaktionen. Im Rahmen von Studien konnte nachgewiesen werden, dass Östrogen Einfluss auf viele Prozesse im Körper hat. So beeinflusst das Hormon auch das Immunsystem. Besonders stark ist sein Einfluss aber auf Mastzellen. Mastzellen sind ihrerseits an der Freisetzung von Histamin beteiligt. Ein wichtiger Hinweis darauf, warum die Histaminintoleranz durch Östrogen negativ beeinflusst wird, ist die Tatsache, dass vor allem Frauen von der Störung betroffen sind.

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Progesteron wirkt einer möglichen Östrogendominanz entgegen. Die Verabreichung von (bio-identischem) Progesteron kann nicht nur das Verhältnis zu Östradiol (wirksame Form des Östrogen) regulieren, sondern auch eine durch zu viel Östradiol ausgelöste HIT abmildern.


Welche Stoffe sind noch an der Histaminintoleranz beteiligt?

Die Histaminintoleranz ist die Folge eines Ungleichgewichts zwischen dem im Körper befindlichen Histamin und den körpereigenen Möglichkeiten des Abbaus. An diesen Prozessen sind die Enzyme Diaminooxidase (DAO) und Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) maßgeblich beteiligt. Ist die Enzyme in ihrer Aktivität reduziert, ist ein Überangebot von Histamin die Folge. Nimmt der Betroffene nun Nahrungsmittel oder andere Substanzen auf, die reich an Histamin sind, kommt es zu den geschilderten Symptomen, bis hin zu Asthmaanfällen und Herzannomalien. Es zeigte sich in Untersuchungen, dass die Anzeichen umso stärker werden, je höher der Östrogenspiegel ist. Außerdem fanden Wissenschaftler heraus, dass die Empfindlichkeit gegenüber Histamin auch zunehmen kann, wenn Frauen Östrogenersatzmittel einnehmen.


Weitere mögliche Ursachen im Stoffwechsel

Der Organismus kann bei der Bildung von DAO und HNMT gestört sein, wie das bei Schäden an den Enterozyten der Fall ist. Enterozyten sind Zellen in der Dünndarmschleimhaut. Bei Darmerkrankungen können sie Schaden nehmen, was weitere Störungen auslösen kann. Für den Aufbau von DAO werden Kupfer, Vitamin B6 und Vitamin C als Co-Faktoren gebraucht. Das Enzym HNMT benutzt S-Adenosylmethionin (SAM) um Histamin zu methylieren und damit abzubauen. Ein Mangel an diesen Co-Faktoren kann eine HIT auslösen oder verstärken. Eine Substitution wiederum kann therapeutisch genutzt werden zur verbesserten Bereitstellung der Enzyme. Gelingt es, die Ursache zu identifizieren und handelt es sich um eine erworbene Störung, stehen die Chancen gut, dass die Betroffenen die Histaminintoleranz überwinden.

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Was bedeutet das für die betroffenen Frauen?

Verstärkte zyklische Probleme können ein Hinweis auf eine Histaminintoleranz sein. Die Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Tachykardie
  • Juckreiz
  • Hautausschläge
  • verstärkte Nahrungsunverträglichkeiten

Liegt eine Histaminintoleranz vor, verstärken sich die Symptome, wenn die Betroffenen Lebensmittel konsumieren, die reich an Histamin sind. Dabei bleibt die Histaminintoleranz eine mögliche Diagnose, denn nur bei wenigen Personen konnte die Überreaktion nachgewiesen werden. Insgesamt gelten schätzungsweise 1 bis 3 % der Bevölkerung als histaminintolerant. Erschwerend für der Erfassung statistischer Daten kommt allerdings hinzu, dass die Symptome so unspezefisch sind, sodass die Patienten nicht von allein darauf kommen, dass Ihre Ernährung einen erheblichen Einfluss auf die Symptome hat. Allergietests bringen nicht zwingend Klarheit, wie Untersuchungen gezeigt haben. Hilfreicher ist es, die auslösenden Faktoren zu identifizieren. Neben der Ernährung können das auch Medikamente sein.


Behandlungsmöglichkeiten der Histaminintoleranz

Ein Absetzen oder eine Umstellung von Medikamenten oder östrogenhaltigen Hormonersatzpräparaten und Kontrazeptiva zeigt eine schnelle Besserung, wenn die Mittel maßgeblich an der Symptomatik beteiligt sind. Allem voran steht aber auch das Meiden von hinstaminreichen Speisen und Getränken. Vielen Betroffenen ist nicht bekann, dass Histamin nicht etwa eine Substanz ist, die vor allem in ungesunden Nahrungsmitteln vorhanden ist. Der Botenstoff findet sich unter anderem in:

  • Sauerkraut und anderen milchsauer vergorenen Nahrungsmittel
  • Reifen Käsesorten
  • eingelegten Nahrungsmitteln
  • Rotwein und anderen alkoholischen Getränken
  • Spinat
  • geräuchertem Fleisch, Salami

Darüber hinaus gibt es Nahrungsmittel, die die Ausschüttung von Histamin im Darm verstärken. Dazu gehören unter anderem:

  • Zitrusfrüchte
  • Champignons
  • Tomaten
  • Walnüsse
  • Meeresfrüchte

Grundsätzlich Vorsicht geboten ist beim Genuss von Alkohol, wobei Weißwein verträglicher sein kann als Rotwein. Um eine schnelle Besserung herbeizuführen, kann außerdem die Gabe von Antihistaminika angeraten sein. Darüber hinaus kann DAO künstlich zugeführt werden, um den Abbau des Histamins zu verbessern. DAO unterstützt den Abbau des Histamins, das sich zwischen den Zellen befindet. Innerhalb der Zellen wirkt HNMT. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes zytosolotisches Protein. Die Behandlung ist abhängig vom Ausmaß der Symptome. Zunächst sollte aber immer eine Anpassung der Lebensweise erfolgen. Wie oben genannt kann die Substitution von Nährstoffen die am Aufbau von DAO und HNMT beteiligt sind, versucht werden. Hierzu zählen vor allem Vitamin B6, Kupfer, Vitamin C und SAM (S-Adenosylmethionin). Folsäure (ein an sich wichtiges B-Vitamin) hingegen kann die Symptome einer HIT verstärken und sollte daher mit Bedacht angewendet werden.

 


Quellen:

Fogel: Diamine oxidase (DAO) and female sex hormones. Agents Actions. 1986 Apr;18(1-2):44-5. (Link zur Studie) 

Ledowsky: HER-stamine? The link between histamine and estrogen. MTHR Support, 2016 (Online-Link)

Maintz et al: Histamine intolerance in clinical practice. Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn. Dtsch Arztebl 2006; 103(51–52): A 3477–83 (Link zur Pdf)

 

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