Tinnitus Aurium (Ohrgeräusche)

0
414
Tinnitus-aurium-(Ohrgeraeusche)

Wenn wir von Tinnitus reden meinen wir meist subjektive Ohrgeräusche, die nur der Betroffene selbst hören kann. Medizinisch werden sie von objektiven Ohrgeräuschen abgegrenzt, die von außen (z.B. mit einem Stethoskop) hörbar sind. Letztere sind relativ selten und können durch Strömungsgeräusche des Blutes (bei Aneurysmen oder Stenosen der Gefäße), Kiefergelenkfehlstellungen oder offenstehender eustachischen Röhre entstehen.

Ein wahres Volksleiden stellen die subjektiven Ohrgeräusche dar, also wenn es pfeift, zischt, brummt und saust im Ohr. Jeder vierte Deutsche hat schon einmal solche Ohrgeräusche gehabt. Bei der Hälfte von ihnen hielten diese mehr als 5 Minuten an und etwa 4%, also jeder 25ste hat einen chronischen Tinnitus. Die Hälfte der Menschen mit chronischem Tinnitus war deswegen schon in medizinischer Behandlung. Wie sehr jemand sich durch die Ohrgeräusche belastet fühlt, hängt von deren Lautstärke, Begleitsymptomen wie Hörminderung, Schwindel und Geräuschüberempfindlichkeit, aber auch von den psychosozialen Umständen ab.

Da der Tinnitus im Ohr wahrgenommen wird, mag es zunächst befremdlich erscheinen, dass dieser zumeist im Gehirn entsteht. Zwar lösen Erkrankungen es Innenohrs die Ohrgeräusche aus, das Geräusch selbst wird jedoch im Schläfenlappen des Gehirns erzeugt.

 

Tinnitus durch Lärmtraumata

Es gibt verschiedene Arten, wie der Tinnitus entstehen kann. Bei einer Lärmschädigung des Innenohrs – durch einen lauten Knall, zu laute Musik, Lärm am Arbeitsplatz – knicken die empfindlichen Hörzellen des Innenohrs ab. Jede Hörzelle ist für eine bestimmte Tonfrequenz verantwortlich. Ist sie geschädigt, können auf der entsprechenden Frequenz keine Hörimpulse mehr ans Gehirn gefunkt werden. Im Audiogramm entsteht eine Lücke oder man hört den Ton nur noch wenn er besonders laut ist. Das Gehirn „wundert“ sich, dass auf der entsprechenden Frequenz keine Signale mehr ankommen und dreht sinnbildlich gesprochen den Verstärker auf. Ein gewisses Grundrauschen entsteht im Bereich der fehlenden Frequenz.

 

Tinnitus aufgrund von Stress und Entzündungen

Nicht jeder Tinnitus wird durch eine Lärmschädigung ausgelöst. Häufig entsteht der Tinnitus quasi aus dem Nichts heraus. Oft geht eine Phase mit hoher Stressbelastung am Arbeitsplatz voraus, aber auch Infekte und ein geschwächtes Immunsystem spielen eine Rolle. Nicht selten folgt der Tinnitus dann auf einen plötzlichen Hörsturz bei dem ein meist einseitiger vorübergehender Hörverlust stattfindet. Diesen führt man auf eine Durchblutungsstörung des Innenohrs („Ohrinfarkt“) zurück, ohne den genauen Mechanismus verstanden zu haben. Die Hinweise verdichten sich, dass es sich auch um eine Entzündungsreaktion des Innenohrs drehen könnte. Denn bei Betroffenen konnten gehäuft Veränderungen im weißen Blutbild – wie eine Veränderung der Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio – festgestellt werden. Bekannt ist auch, das Stress entzündungsfördernde Eigenschaften hat, wie einer Veränderung des Kynurenin-Stoffwechels. Nicht zuletzt zeigt sich eine Kortison-Behandlung zumindest beim akuten Tinnitus und Hörsturz häufig als hilfreich, was aufgrund der immunsuppressiven Wirkung des Kortisons für die Entzündungstheorie spricht.

  • Am häufigsten nach Hörsturz, Lärmtrauma, Stress und extremen psychischen Belastungen.
  • HWS – Syndrom/ Kompression der A. vertebralis (Durchblutungsstörungen).
  • Morbus Meniére (chronischer Drehschwindel), typischerweise verbunden mit Hörminderung.
  • Otitis media, Tubenkatarrh, Otosklerose.
  • Selten bei Akustikusneurinom (gutartiger Tumor des VIII. Hirnnervs/ N. vestibulocochlearis): Ohrgeräusche, Hörminderung, Schwindel; DD durch MRT.
  • Chronische Entzündungen, gestörte Immunregulation, Mitochondriopathie (Störung im Zellstoffwechsel).
  • Ohrgeräusche (lat. Tinnitus = Geklingel) sind störende Schallempfindungen.
  • zeitweise oder dauerndes
    • Klingeln, Brausen, Zischen, Brummen o.ä.
  • Begleitsymptome können sein:
    • Schwindel, Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit), Schwerhörigkeit (für bestimmte Frequenzen).
    • Schwierigkeit, Gesprächen in lauter Umgebung (Kneipe, Bar) oder in größeren Gruppen zu Folgen.
    • Starke seelische Belastung durch die Ohrgeräusche, mit Ängsten und Depressionen, Furcht, „immer damit leben zu müssen“, sozialer Rückzug.
    • Schlafstörungen, Unfähigkeit zur Ruhe zu kommen.
    • ständiges Gefühl des angespannt Seins.
    • Patienten fühlen sich oft von ihrer Umgebung nicht verstanden, weil man ihnen ihre Erkrankung nicht ansieht, es keine messbaren Befunde gibt.

 Man unterscheidet subjektive und objektive Ohrgeräusche.

 Subjektive Ohrengeräusche

  • nur vom Patienten wahrgenommen!
  • Bei chronischem Tinnitus häufig auch Schwindel und Hyperakusis.

 Objektive Ohrengeräusche

  • auskultatorisch nachweisbar (der Arzt hört die Geräusche mit dem Stethoskop).
  • Ursachen:
    • häufig Gefäßanomalien wie Aneurysmen oder Stenosen (Strömungsgeräusche des Blutes).
    • Verlagerung des Kiefergelenks (nach Zahnextraktion u.ä.; Verschiebung des Bisses).
    • bei offenstehender Eustachischen Röhre (Ohrtrompete); das Öffnen und Schließen der Ohrtrompete kennt jeder vom Starten und Landen mit dem Flugzeug, wenn ein Druckausgleich im Ohr stattfindet.
  • Akut Infusionen (Kochsalzlösung, Kortison) und durchblutungsfördernde Medikamente (wie Pentoxifyllin oder pflanzliche Präparate mit Gingko).
  • chronisch „dekompensierter“ Tinnitus:
    • ambulante oder stationäre Maßnahmen, letztere meist im Rahmen einer Kur/ Rehamaßnahme.
      • verhaltenstherapeutische und entspannungspädagogische Ansätze
      • gezielte Aufmerksamkeitsumlenkung
      • Entspannungsverfahren (wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Feldenkrais), positive Umstrukturierung (mentale Neubewertung der belastenden Geräusche)

Alternative Therapie

Zur Förderung der Durchblutung des Innenohrs kann neben Gingko-Präparaten die Aminosäure L-Arginin gegeben werden. Hilfreich können auch die Mikronährstoffe Taurin, Zink und Magnesium sein.

Entzündungshemmende Therapie: Omega-3-Fettsäuren, die Vitamine C , D und E sowie antioxidative Nährstoffe wie Glutathion, N-Acetylcystein und S-Adenosylmethionin. Eine entzündungshemmende Ernährung (wenig Zucker und Weißmehl, reichlich Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren, unverträgliche Nahrungsmittel meiden) entlastet das Immunsystem und kann im Falle eines entzündungsbedingten Tinnitus helfen. Kurmäßig können Nährstoffinfusionen (beim Arzt oder Heilpraktiker) den Zellstoffwechsel verbessern, mögliche Entzündungen sowie die Ohrgeräusche selbst lindern.

Entspannungsverfahren sind im alternativmedizinischen genauso wie im schulmedizinischen Ansatz fest verankert. Das Spektrum der Entspannungsverfahren erweitert sich durch Methoden wie Qi Gong, Tai Chi oder Yoga. Aber auch regelmäßige Massagen und eine osteopathische Behandlung können Stress abbauen und Probleme mit der Halswirbelsäule lösen.

Homöopathie und Akupunktur zeigen in Einzelfällen positive Wirkungen und sind als individualisierte Therapiemaßnahmen zu verstehen.