Verseuchtes Trinkwasser – Keime aus dem Wasserhahn

Legionellen stellen eine Gefahr für das Trinkwasser dar. Sie tummeln sich besonders gerne dort wo warmes Wasser lang fließt, wie im Duschwasser.

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Legionellen im Leitungswasser

Trinkwasser gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Was hier wie selbstverständlich aus Wasserhahn und Dusche läuft, muss in anderen Regionen der Erde straff eingeteilt werden. Es gibt auch Gebiete, in denen Trinkwasser derartig verschmutzt ist, dass es nicht getrunken werden kann. In Deutschland ist die Aufbereitung des Trinkwassers an sich sehr gut und Grenzwerte bestimmen die Qualität des Wassers, aber nicht immer reicht dies. Immer wieder tauchen Fälle trinkwasserbedingter Krankheiten auf. Legionellen sind Bakterien, die hier eine besondere Rolle einnehmen, denn nicht immer ist der Zusammenhang zwischen ihnen und den Symptomen klar erkennbar.


Sauberes Trinkwasser ist für uns normal

Je nach Alter besteht der Mensch zu 50 oder 70 % aus Wasser. Er scheidet Wasser regelmäßig aus und ist auf Nachschub angewiesen. Im Durchschnitt sollte ein erwachsener Mensch zwei Liter Wasser am Tag trinken. Wasser wird darüber hinaus für die Zubereitung von Speisen genutzt, zum Wäsche waschen, zum Abwaschen von Geschirr und für die hygienische Pflege. Wasser ist aus dem modernen Alltag nicht wegzudenken. Wie selbstverständlich betätigen wir Wasserhahn oder Duschkopf und denken nur selten darüber nach, wie das saubere Trinkwasser in unsere Haushalte gelangt.

Das Trinkwasser wird zu 70 % aus Grund- oder Quellwasser gewonnen, zu 13 % aus Seewasser, Talsperrenwasser oder Flusswasser, und zu 17 % aus einem „Mittelweg“: ursprüngliches Oberflächenwasser wird durch Bodenpassagen oder Uferfiltration fast wie Grundwasser. Die Trinkwasserverordnung regelt die Qualität. Außerdem gibt es Leitlinien, rechtliche Entscheidungen, Empfehlungen und weitere Regelwerke. Man könnte meinen, das Trinkwasser sei absolut sicher. Doch dem ist nicht so. Immer wieder lassen sich vermehrt Bakterien im Trinkwasser finden, die zu lebensgefährlichen Erkrankungen führen können.


Trinkwasser: Keime aus dem Wasserhahn

Immer wieder gibt es Fälle von verunreinigtem Trinkwasser – vornehmlich in öffentlichen Gebäuden. Trotz der Novellierung der Trinkwasserverordnung 2011 gibt es auch in Privathaushalten Hinweise auf keimhaltiges Trinkwasser.

Typische Trinkwasserkeime sind:

Pseudomonaden

Dieser Kaltwasserkeim ist in schlecht durchströmten Leitungselementen zu finden. Daher gibt es ihn vorrangig in älteren Leitungssystemen oder in fehlerhaften. Die Keime sind bekannt als Ursache für Lungenentzündungen und Harnwegsinfektionen.

Biofilm

Ein Biofilm ist im Grunde nichts weiter als die Ablagerung organischer Stoffe. In diesen Ablagerungen existieren allerdings Bakterien und Keime. Sie können dort gut wachsen, so dass mit einem dauerhaften Keimherd zu rechnen ist. Das Wasser ist in diesem Fall kontinuierlich verkeimt. Biofilm ist deshalb immer zu entfernen.

Kolibakterium (E.coli)

Diese Darmbakterien kommen in Mensch und Tier gleichsam vor. Sie kommen physiologisch in unserer Darmflora vor. Es gibt jedoch auch patholgische E. coli Stämme oder Körperbereiche in denen die Keime einfach nichts zu suchen haben. Krankhafte Stämme wie EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) können zu Magen-Darm-Störungen, Blinddarmentzündungen und Bauchfellentzündungen führen. Eine gefürchtete Komplikation ist das HUS (hämolytisch-urämische Syndrom). Die harmlosen E. coli Stämme der Darmflora sind bilden die häufigste Ursache für einfache Harnwegsinfektionen.

Enterokokken

Auch hierbei handelt es sich um Bakterien, die vorrangig physiologisch im Darm angesiedelt sind. Bei hoher Konzentration sind sie allerdings gefährlich und können schwere nosokomiale Infektionen auslösen. Sie sind im Wasser besonders lebensfähig, weshalb Trinkwasser mit diesen Bakterien eine hohe Gefahr bedeutet.

Die wohl bekanntesten Bakterien im Trinkwasser sind allerdings die Legionellen.


Legionellen – die versteckte Gefahr

Gegenwärtig kennt man mehr als 48 Arten und 70 Serogruppen dieser Bakterien. Es handelt sich um Feuchtkeime, weshalb sie sich im (Trink-)wasser besonders wohl fühlen. Hierbei sind vor allem die Warmwasser-Systeme zu nennen, denn eine permanente Temperatur auf lauwarmen Niveau zwischen 20 und 50 Grad Celsius ist für die Bakterien eine optimale Umwelt. Gerade in den warmen Monaten besteht für das Trinkwasser von Privathaushalten eine erhöhte Gefahr für einen akuten Bakterienbefall. Legionellen können lebensbedrohlich sein, weil sie beim Menschen das Pontiac-Fieber auslösen. Bekannter ist allerdings die Legionärskrankheit, die ebenfalls durch Legionellen verursacht wird.

Eine Übertragung ist mit Trinkwasser möglich, wenn die Legionellen in die tieferliegenden Lungenabschnitte vordringen. Nicht jeder Kontakt mit Wasser, in welchem Legionellen sind, ist eine Gesundheitsgefahr. Besonders das Einatmen des keimhaltigen Wassers kann zur Infektion führen. Das ist beim Duschen, bei Klimaanlagen, Whirlpools und Rasensprengen beispielsweise möglich. Das Trinken von mit Legionellen belastetem Wasser ist bei Personen mit funktionierendem Immunsystem meist keine Gefahr.


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Akute Lungenentzündung durch Legionellen

Eine Gefahr für eine akute Lungenentzündung besteht, wenn der Wasserdampf z. B. beim Duschen inhaliert wird. Ca. zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung folgen die ersten Symptome: Kopfschmerzen, Reizhusten, Unwohlsein und Gliederschmerzen. Später folgen Fieber, Schüttelfrost, Brustschmerzen oder auch Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen.

Das Tückische ist, dass die Symptome einer schweren Lungenentzündung vorliegen, aber dass keine Erreger zu erkennen sind, die üblicherweise eine Lungenentzündung verursachen. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann die akute Lungenentzündung zum Tode führen, wenn eine angemessene Therapie nicht rechtzeitig angesetzt wird.


Diffuse Symptomatik einer Legionellen-Infektion

Weit weniger beachtet als die Lungenentzündung sind nicht sofort zuzuordnende Symptome. Hier ist ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang schwerer zu erkennen. Denn wenn eine Legionelleninfektion vorliegt, aber keine Lungenentzündung vorhanden ist, scheinen Ursache und Wirkung nicht zu korrelieren. Doch dem ist nicht so! Diffuse Symptome wie Erschöpfungszustände oder chronische Infektionen können nach längerem Trinken von kontaminiertem Wasser durchaus eine Folge der Ansteckung mit Legionellen sein. Das Problem ist, dass keine direkte Verbindung zum potentiellen Auslöser entdeckt wird, weil nicht danach gesucht wird. Wenn also für bestimmte Symptome keine Ursache ausgemacht werden kann, sollte wenigstens von therapeutischer Seite auf Legionellen hin untersucht werden, um diese Ursache entweder auszuschließen oder zu bestätigen.


Grenzwerte und Desinfektion von Trinkwasser

Eine Legionärskrankheit ist meldepflichtig. Bei diffusen Symptomen besteht keine Pflicht. Auch ein Verdacht auf die Legionärskrankheit muss nicht gemeldet werden. Das Robert Koch-Institut wertet die Daten für Deutschland nach den Meldungen aus. Aktuell rechnet es mit 6000 bis 10000 Lungenentzündungen durch Legionellen pro Jahr in Deutschland. Die Trinkwasserverordnung sieht eine regelmäßige Kontrolle des Wassers auf Legionellen vor, um präventiv zu wirken. Gemäß der Verordnung gilt für Legionellen ein sogenannter Technischer Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) auf je 100 ml. Sobald dieser Wert überschritten ist, muss das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.

Es gibt Vorschriften zum Einhalten bestimmter Temperaturen, um das Wachstum von Legionellen zu reduzieren. Am Austritt von Warmwassererzeugungsanlagen müssen z. B. mindestens 60 Grad Celsius eingehalten werden. Wird Wasser bei unter 60 Grad Celsius in einem Wasserkessel gespeichert, begünstigt dies das Wachstum der Bakterien. Deshalb gibt es spezielle Legoinellenschaltungen, die das Wasser regelmäßig höher erhitzen, um die Mindesttemperatur zu halten. Alternativ werden Rohrschlangen verwendet, die zu kaltes Trinkwasser erwärmen.


Was Privathaushalte gegen Legionellen und Co. tun können

In Privathaushalten kann man viel zur Vorbeugung gegen Legionellen im Trinkwasser tun. So kann man das Wasser thermisch desinfizieren oder man führt eine intermittierende Aufheizung des Trinkwassererwärmers auf mindestens 70 Grad Celsius durch. Mit Chlorung oder Chlorelektrolyseverfahren kann das Trinkwasser desinfiziert werden. Ebenso können Chlordioxid oder UV-Strahlung eingesetzt werden. Auch endständige Trinkwasserfilter können einen Schutz gegen Legionellen bieten. Allerdings sollen diese aus technischen Gründen nur mit Kaltwasser betrieben werden.

Es empfiehlt sich, sein Trinkwasser regelmäßig von einem Labor testen zu lassen. Eigentlich ist dies Aufgabe des Vermieters, jedoch kommen diese ihrer Pflicht häufig nicht nach. Als Haus- oder Wohnungseigentümer liegt die Verantwortung bei Ihnen selbst.


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Zudem gibt es einige simple Tipps um zu überprüfen, ob das eigene Trinkwassersystem in Ordnung ist. Das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt die folgenden fünf Schritte:

  1. Wassertemperatur an Zapfstelle prüfen mit Thermometer: Warmwasser sollte über 55 Grad Celsius nach maximal drei Litern Ablauf haben, Kaltwasser unter 25 Grad Celsius.
  2. Anlagentemperatur der Warmwasseraufbereitung überprüfen: Der Warmwasservorlauf sollte mindestens 60 Grad Celsius aufweisen, der Zirkulationsrücklauf mindestens 55 Grad Celsius.
  3. Prüfen, ob alle Zirkulationsleitungen gleichmäßig heiß sind.
  4. Prüfen, ob die Zirkulationspumpe mindestens 16 Stunden am Tag läuft.
  5. Prüfen, ob die Trinkwasseranlage einmal im Jahr professionell gewartet wird.

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