Oxytocin verbessert soziale Kompetenz bei Autismus

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Umarmen-Kuscheln-Oxytocin-Bindungshormon

Das Bindungshormon Oxytocin

Das Neurohormon Oxytocin, welches auch als ‘Bindungshormon’ bekannt ist, erfüllt im Körper zahlreiche Funktionen. Bereits bevor Leben entsteht, ist es in unser Liebespiel involviert und fördert Lust sowie Verbundenheit. Studien zeigen, dass Oxytocin nicht nur soziale Bindungen – über eine Intensivierung des Vertrauens – fördert, sondern auch bei Autismus helfen kann. Folgender Beitrag geht auf die wichtigsten Rahmendaten und aktuelle Studienergebnisse ein.


Das ‘Kuschelhormon’ im Fokus des Miteinanders

Oxytocin bedeutet ‘schnelle Geburt’, da es die Wehen einleitet, die Milchproduktion aktiviert und die Bindung zwischen Mutter und Baby intensiviert. Seine Wirkung als prosoziales Hormon entfaltet es auch bei Erwachsenen. Es kann darüber hinaus Angst und Stress reduzieren. Gleiches gilt für die Förderung von Empathie und die Minderung von Aggressionen. Diese Aspekte erklären auch die positiven Wirkungen von Körperkontakt wie Umarmen, Kuscheln und Tanzen auf die Psyche bzw. unser Wohlbefinden. In früheren Studien der Freiburger Universität konnte bereits gezeigt werden, dass das `Kuschelhormon´ traumatische soziale Erfahrungen bei Mäusen auslöschen konnte. Dr. Markus Heinrich hat mit seinem Forscherteam der Uni Freiburg zudem in mehreren Studien die Wirkung (intranasal verabreichten) Oxytocins auf das menschliche Sozialverhalten untersucht. Fasst man die Ergebnisse zusammen, so zeigte sich immer wieder, dass das Hormon Stress abbaut und prosoziales Verhalten fördert.


Das therapeutische Potential des Neurohormons
 

Im Fokus des Interesses der Effekte von Oxytocin steht neben des Erfolges bei Autismus auch der Nutzen bei sozialen Angststörungen, Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie. Bereits 2010 kamen französische Forscher zu der Erkenntnis, dass das Hormon soziale Interaktionen von Autisten verbessert. In diesem Zusammenhang wurde ein längerer Blickkontakt festgestellt. Darüber hinaus konnten die Teilnehmer unter Gabe des Neurohormons ihr Gegenüber besser einschätzen.


Oxytocin – Hoffnung bei Autismus?

In einer aktuellen Studie mit 32 Kindern der Stanford University konnte aufgezeigt werden, dass autistische Kinder ein verbessertes Sozialverhalten unter Therapie mit Oxytocin zeigten. Die Studienergebnisse deuten laut Forscher darauf hin, dass die Behandlung bei einigen Kindern mit Autismus einen größeren Nutzen entwickelt. Am meisten profitierten solche Kinder, die vor der intranasalen Oxytocingabe einen niedrigen Oxytocinspiegel aufwiesen. Gleichzeitig könnte der Blut-Oxytocinspiegel ein biologischer Parameter sein, um vorherzusagen, ob ein Kind maximal auf die Oxytocingabe ansprechen wird.

Für signifikante Aussagen müsse diese Studie laut Dr. Hardan – Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften – erneut an mehreren Kindern überprüft werden. Obwohl der Effekt unter der Oxytocin-Therapie moderat war, betont Dr. Hardan, dass es derzeit keine vergleichbaren Medikamente zur Therapie von Autismus gibt. Entsprechend sind die Erkenntnisse spannend und das Interesse an weiteren Untersuchungen auf Basis von Oxytocin groß.


Hilft Oxytocin auch bei ADHS?

Denkbar wäre es zumindest. Uns ist bislang leider keine Studie bekannt, die diesen Zusammenhang untersucht hätte. Da leichte Fälle von Autismus jedoch eine gewisse Ähnlichkeit mit der Symptomatik der Aufmerksamkeitsstörung aufweisen, läge die Vermutung nahe. Bindung, Kuscheln und die Fürsorge der Eltern sind enorm wichtig, damit Kinder ein Urvertrauen in sich selbst und eine stabile Emotionalität entwickeln können. Zuhören, Empathie und ein Eingehen auf die Bedürfnisse eines “hyperaktiven” Kindes helfen diesem, seine Energien zu kanalisieren.

Allein der Begriff “hyperaktiv” ist bereits negativ wertend und stülpt dem Kinde eine krankhafte Deutung seines Verhaltens über. Mit Sicherheit gibt es kein Kind, das mit einem Mangel an Psychopharmaka wie Ritalin aufwächst. Aber es gibt leider viele Kinder, die mit einem Mangel an Liebe, Zuwendung und stabilen Bindungen aufwachsen. Genau das sind die Aspekte, die man dem Bindungshormon zuschreibt.

 


Quellen:

Heinrichs et al: Oxytocin and the social brain: Neural mechanisms and perspectives in human research. Department of Psychology, Laboratory for Biological and Personality Psychology, Albert-Ludwigs-University of Freiburg. (Link zur Studie)

Pötter: Tod im Uterus. Leben und Sterben in besetzten Räumen. Resonalogic – Biologische ResonanzMittel. (Link zum Online-Artikel)

Parker et al: Intranasal oxytocin treatment for social deficits and biomarkers of response in children with autism. Proceedings of the National Academy of Sciences. 10 July 2017. (Link zur Studie)

3 BEMERKUNGEN

  1. Das besagt nicht, dass ein Mangel an Oxyticin eine Ursache für Autismus sein könnte. Es gibt ja überall, nicht nur bei Autisten unterschiedlich hohe Spiegel dieses Hormons und man findet bei manchen auch gesunden Menschen, denen man es gegeben hat, Änderungen im “Sozialverhalten”. Bei Personen, nicht Autisten, mit sozialen Ängsten (Phobien) konnten diese (solange die Hormongabe wirkte) gemindert werden. Nun kann auch bei Autisten ein vom Autismus unabhängiger niedriger Oxytocinspiegel vorhanden sein. Und auch bei Autisten kann eine positive Veränderung in einen kleinen Bereich des sozialen Verhaltens (vorübergehend) durch Oxytocinbagen erreicht werden – wie bei anderen auch. Dafür spricht besoners, das gerade Personen mit zuvor neidrigen Spiegel deutlicher darauf ansprachen.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, stimmt. Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem möglichen Mangel an Oxytocin und dem Auftreten von Autismus lässt sich aus der Studie nicht schließen. Interessant ist jedoch die Verbesserung des Sozialverhaltens durch die (zusätzliche) Gabe des “Bindungshormon” bei gleichzeitig niedrigem Oxytocinspiegel und der Diagnose Autismus. Weitere Untersuchungen werden sicher zeigen, ob hier eine neue Behandlungsoption besteht.

      • Diese Verbesserung findet sich nicht nur bei Autismus, auch bei Gesunden”. Deswegen das nicht als Therapie bei Autismus zu verstehen, sonder vielleicht als Hilfe bei Einengungen des Sozialverhaltens, das noch zusätzliche zu den Autismussymptomen vorhanden sein kann (überdeckt). Bei jedem, auch Nichtautisten, mit verminderten Oxyticinspiegel eine mögliche Hilfe (bisher nur vorrübergehend, wenn das Hormon gegeben wurde).

        Übrigens wurden Versuche gemacht bei Gruppentherapiesitzungen mit Sozialphobikern und auch entsprechende “Erleichterungen” für die Sitzungen beobachtet. Therapiereife fehlt auch da noch. Jedoch zur Erkennung der Wirkungen dieses Hormons trägt das sehr bei. Warum jemand wan welche Mengen bildet und so für diese Zeit sein Sozialverhalten beeinflusst, ist jedoch noch völlig offen (außer bei organischen Schäden).

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