Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

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Bei der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) kommt es aus verschiedenen Ursachen zu einer Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen. Dieser Zustand wirkt sich auf den sonst so ausbalancierten Körper stark aus und verursacht spezifische und unspezifische Symptome.

Zum Verständnis rund um die Hypothyreose ist ein grundlegendes Wissen über die komplexen Abläufe der Bildung, Funktion und Regulierung der Schilddrüsenhormone notwendig.

Durch die Schilddrüsenhormone werden verschiedene Prozesse im Körper des Menschen gesteuert, reguliert und beeinflusst. Insgesamt wird der Stoffwechsel mit Hilfe dieser Hormone reguliert und angekurbelt. Eine Hypothyreose führt zur verminderten Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Wobei T3 unter dem Namen Triiodthyronin und T4 unter dem Namen Thyroxin (auch: Tetraiodthyronin) bekannt ist.  Eine verminderte Bildung dieser Hormone führt meist zu Symptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung, häufig auch zu Gewichtszunahmen. Bleibt dieser Zustand unbehandelt, ist mit ernsthaften Einschränkungen der Lebensqualität rechnen.

 

Pathogenese

Die Regulierung der Schilddrüsenhormone erfolgt über den thyreotropen Regelkreis zwischen der Schilddrüse und der Hypophyse bzw. dem Hypothalamus. Dieser Regelkreis wird über das komplexe Zusammenspiel verschiedenster regulierender, hemmender und freisetzender Hormone  beeinflusst. Dabei können auch anderer Bereiche der “Hormonachse” wie die Geschlechtshormone und die Nebennierenhormone Einfuss auf die Schilddrüsentätigkeit nehmen. Die Ursache für die Hypothyreose kann daher unterschiedlicher Natur sein und hängt vom Ort beziehungsweise von unterschiedlichsten Auslösern ab.

Die Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion können vielfältig sein und werden daher nach einer entsprechenden Einteilung kategorisiert.

 

Einteilung nach der Lokalisation der Störung

Hier kann zwischen einer primären, einer sekundären und einer tertiären Hypothyreose unterschieden werden.

Bei der primären Hypothyreose ist die Schilddrüsenfunktion an sich gestört. Auslöser können ein Jodmangel oder ein Tyrosinmangel sein, denn das Spurenelement Jod und die Aminosäure Tyrosin sind elementare Bestandteile der Schilddrüsenhormone. Häufige Ursache einer primären Hypothyreose ist die vor allem bei Frauen relativ häufig autretende Hashimoto thyreoiditis. Hier handelt es sich um eine autoimmune Entzündung von Schilddrüsengewebe, welches auf Dauer zerstört wird.

Bei der sekundären Hypothyreose ist die Produktion des Hormons TSH, welches die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt, gestört. Gründe hierfür liegen in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse).

Bei der tertiären Hypothyreose liegt eine Schädigung einer tiefen Hirnstruktur, des Hypothalamus, vor, welche sich durch die verminderte Produktion des Hormons TRH bemerkbar macht. Denn TRH wirkt als Hormon auf die Hypophyse und sorgt für die Produktion von TSH.

 

Einteilung nach den vorliegenden Symptomen

Hier wird lediglich in klinisch, also symptombehaftet und subklinisch, also ohne Symptome unterteilt.

 

Einteilung nach dem Zeitpunkt des Krankheitsbeginns

Der Zeitpunkt des Auftretens bezieht sich hier vor allem auf die Tatsache, ob die Schilddrüsenfehlfunktion angeboren oder erworben wurde.

Anamnese ud körperliche Untersuchung

Wichtig bei der richtigen Diagnosefindung ist immer die fundierte und umfassende Anamnese. Dabei achtet der Arzt oder Heilpraktiker vor allem auf die mögliche familiäre Vorbelastung des Patienten und auf die vom Patienten geschilderten Symptome. Auch die Nahrungsaufnahme wird durch den Behandelnden genau erfragt und unter die Lupe genommen. Dieser kommt auch auf eine körperliche Untersuchung zurück, bei der der Fokus vor allem im Bereich der Halsregion liegt. Vergrößerungen der Schilddrüse (Strumata) können so frühzeitig erkannt werden und bereits erste Hinweise auf eine Hypothyreose liefern. Typisch ist der sogenannte Jodmangelkropf (Jodmangelstruma). Er tritt vor allem in Jodmangelgebieten auf. In Meeresnähe, wo viel jodreicher Fisch und Meeresalgen verzehrt werden, ist er selten. Durch die Jodierung von Speisesalz ist die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) rückläufig. Die Einteilung der Größe der Schilddrüse ist von der WHO in drei Stadien unterteilt worden die von keiner sichtbaren, bis zu einer unübersehbaren Schilddrüsengröße reichen.

 

Bestimmung der Laborwerte TSH, fT3 und fT4 und spezifischer Antikörper 

Eine laborchemische beziehungsweise labormedizinische Untersuchung ist bei der Diagnostik der Hypothyreose unerlässlich. Bei der labormedizinischen Untersuchung wird vor allem auf das Hormon TSH (Thyreotropin oder Thyreoidea-stimulierendes Hormon) sowie auch auf den Nachweis von freiem T3 (fT3) und freiem T4 (fT4) geachtet. Stellt sich bei der Laboruntersuchung heraus, dass zwar eine TSH-Erhöhung, jedoch (noch) eine normale fT3 und fT4 Konzentration vorliegt, wird bereits von einer subklinischen (symptomlosen) Hypothyreose gesprochen.

Normwerte für TSH liegen zwischen 0,22 – 4,4 μIU/ml. Bei Werten oberhalb von 4,4 besteht der Verdacht auf eine manifeste Hypothyreose. Jetzt sollten die aktiven Hormone in jedem Fall bestimmt werden. Ab TSH-Werten die regelmäßig oberhalb von 2,5 liegen, kann eine latente Schildrüsenunterfunktion vermutet werden.

Normwerte für freies T3 liegen bei 2,3 – 4,2 pg/ml und für freies T4 bei 0,89 – 1,76 ng/dl. Werte unterhalb dieser Normen zeigen eine manifeste Hypothyreose an.

Insbesondere zum Ausschluss der Hashimoto thyreoiditis werden schildrüsenspezifische Antikörper bestimmt. Erhöhte Werte von Thyreoperoxidase-Antikörpern (TPO-AK/ MAK = mikrosomale AK) und Thyreoglobulin-Antikörpern (TAK) weisen auf eine autoimmune Entzündung der Schilddrüse hin. Frauen erkranken etwa 5 Mal häufiger als Männer. Treten die Entzündungen zum ersten Mal auf, können sie vorübergehend eine Mehrproduktion von Schilddrüsenhormonen bewirken. Auf Dauer wird jedoch das Schilddrüsengewebe zerstört und es entsteht eine Hypothyreose.

Insbesondere wenn keine Entzündungen als Ursache der Unterfunktion in Betracht kommen oder eine Struma vorliegt, sollte der Jodwert gemessen werden. Dieser wird meist im Urin bestimmt. Da Jod ein essentieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone ist, führt ein Mangel meist irgendwann zu einer Unterfunktion.

 

Sonografie, Szintigrafie und Biopsie

Im Rahmen einer fachärztlichen Untersuchung kann auch eine bildgebende Diagnostik zielführend sein. Gängig ist beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), die durch immer modernere Methoden Rückschlüsse auf die Durchblutung und so auf die Funktionsweise der Schilddrüse zulässt.

Ebenfalls möglich ist ein sogenannter Radio-Jod-Test um eine Fehlfunktion der Schilddrüse zu diagnostizieren. Als dritte bildgebende Diagnosemöglichkeit, steht die Szintigrafie zur Auswahl. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, welches vor allem in der nuklearmedizinischen Diagnostik der endokrinologischen (Hormonhaushalt betreffenden) Erkrankungen von Bedeutung ist. Dabei lässt sich zuverlässig eine örtliche, anatomische Trennung von kaltem (inaktivem) und warmem (aktivem) Schilddrüsengewebe diagnostizieren. Kalte Knoten produzieren keine oder kaum Schilddrüsenhormone. Sie sind meist harmlos und können auf einen Jodmangel hindeuten. In Abhängigkeit von Ihrer Größe und einem möglichen Wachstum besteht jedoch ein gewisses malignes Risiko (Gefahr von Schilddrüsenkrebs). Besonders große Knoten die schnell wachsen oder mit der Haut oder anderen Gewebsschichten verwachsen sind, können auf ein Karzinom hindeuten. Heiße Knoten wiederum zeigen ein überaktives Schilddrüsengewebe. Folge ist oft eine Hyperthyreose, Entartungen finden sich bei heißen Knoten jedoch so gut wie nie.

Ebenfalls möglich, ist eine invasivere Diagnosemöglichkeit, die jedoch eher seltener eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um die sogenannte Feinnadelpunktion. Bei dieser wird ein kleiner Teil des Schilddrüsengewebes mittels einer Nadel entnommen. Das Prinzip entspricht einer Biopsie zur anschließenden Funktionsanalyse.

Die Symptomatik der Hypothyreose ist im Allgemeinen eher unspezifisch. Generell kann jedoch davon ausgegangen werden, das bei der Hypothyreose Symptome auftreten, die einer Verringerung der Stoffwechselaktivität entsprechen.

Im genauen Gegenteil zur Hyperthyreose liegen bei der Schilddrüsenunterfunktion Symptome wie Müdigkeit, gesteigerte und erleichterte Gewichtszunahme und trotzdem erhöhte Appetitlosigkeit vor. Dementsprechend unspezifisch sind auch Symptome wie:

  • Pulsverlangsamung (Bradykardie)
  • Stuhlverhalt beziehungsweise Verstopfungen
  • eine veränderte, rauere Stimmlage
  • beginnende Fettstoffwechselstörungen im klinischen Blutbild
  • einsetzender Haarausfall
  • Kälteintoleranz
  • raue, sowie trockene Haut
  • Schwellungen der Unterhaut (sog. Myxödem)

Durch die Fettstoffwechselstörung und die vermehrte Gewichtszunahme sind bei Menschen die über Schilddrüsenunterfunktion klagen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls vermehrt diagnostizierbar. Hier kann es zu einem vermehrten und frühzeitigen Auftreten von Arteriosklerose kommen. Auch die Herzinsuffizienz ist in Verbindung mit der zunehmenden Körperfülle nicht unüblich.

Bei der Therapie der primären Hypothyreose kommt von klinischer, schulmedizinischer Seite aus, in der Regel eine Hormonsubstitution mittels einnehmbaren Medikamenten zur Anwendung. Bekannt sind vor allem L-Thyroxin und das jodhaltige Thyronajod, die beide als Wirkstoff Levothyroxin (T4) enthalten. Manchmal wird auch ein Kombiwirkstoff aus Levothyroxin (T4) und Liothyronin (T3) unter dem Namen Novothyral verordnet. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Umwandlungsstörung von T4 in das deutlich aktivere T3 vorliegt. Auch eine symptomatische Therapie der unter Umständen bestehenden Fettstoffwechselstörung ist vom Arzt abzuwägen und bei Bedarf einzuleiten. Nur so können kardiale Risikofaktoren, bedingt durch die Hypothyreose, minimiert werden.

Bei der sekundären und tertiären Hypothyreose kommt eine Therapie der entsprechenden Ursache zur Anwendung. Dabei wird nach der Ursache, die meist im Gehirn liegt, gesucht und anschließend interdisziplinär mit der zuständigen Facharztrichtung ein Therapiekonzept erstellt.

Alternative Therapie

Oft wenden sich Personen einer alternativen Therapie zu, die bereits gut mit einer schulmedizinischen Therapie, bezogen auf den Hormonstatus, eingestellt sind. Hier fungiert die alternative Therapie dann als ganzheitliche und das Therapiespektrum erweiternde Maßnahme. Ob eine kombinierte Therapie oder nicht, die alternativen Behandlungsmethoden der Hypothyreose sind durchaus vielfältig. Beispielsweise ist die Anwendung von Homöopathie und Akupunktur eine Möglichkeit, gegen die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion anzugehen.

 

Alternative  Behandlungsansätze vor allem bei Hashimoto thyreoiditis wichtig

Insbesondere die begleitende Behandlung einer Hashimoto thyreoiditis als Ursache einer Hypothyreose, erweist sich als eine wichtige ergänzende Maßnahme. Trotz dank Hormonsubstitution normalen Schilddrüsenwerten können diese Patienten unter der Begleitsymptomatik der chronischen Entzündung leiden. Solange sich die Entzündungen auf die Schilddrüse begrenzen, werden diese schulmedizinisch nicht behandelt. Es wäre auch übertrieben, hier mit systemisch wirkenden Entzündungshemmern oder gar Immunsuppressiva zu arbeiten. Symptome wie Konzentrationsstörungen, Gefühl des Vernebeltseins (“Brain Fog”) und allgemeines Unwohlsein zeigen jedoch den Handlungsbedarf an.

Entzündungshemmende Maßnahmen können zum Beispiel in der Einnahme von Selen, Omega-3-Fettsäuren und Glutathion bestehen. Häufig spielen auch Nahrungsunverträglichkeiten – meist gegenüber glutenhaltigen Getreiden und Milchprodukten – eine Rolle bei den autoimmunen Entzündungen. Ein spezieller Nahrungsmitteltest (nach IgG-Antikörpern oder einer Typ IV-Allergie) und eine konsequente Auslassdiät können hier zielführend sein.

 

Senkung des Arterioskleroserisikos

Bei erhöhten Blutfettwerten hat sich zur Regulierung eine Kombination aus kohlenhydratreduzierter Kost (Low-carb oder LOGI-Kost), sowie der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel Fischöl, Leinöl, etc.) und Olivenblattextrakt bewährt. Bei erhöhten Homocysteinwerten sollten die B-Vitamine B6, B12 und Folsäure eingenommen werden. So lässt sich das Risiko von Herzkreislauferkrankungen reduzieren.

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Meiden von goitrogenen Stoffen und Nahrungsmitteln

Goitrogene können die Jodaufnahme in die Schilddrüse oder die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Sie können das Auftreten einer Hypothyreose und von Strumata wahrscheinlicher machen. Die Liste der Goitrogene reicht von (eigentlich gesunden) Nahrungsmitteln wie bestimmten Kohlarten und Sojaprodukten über chemische Substanzen wie Perchlorate bis hin zu Kunststoffen wie Bisphenol A. Diese sollten weitesgehend gemieden oder im Falle der Nahrungsmittel nur in Maßen verzehrt werden.

 

Bio-identische Schilddrüsenhormone

Sogenannte bio-identische oder natürliche Schilddrüsenhormone stammen meist aus der Schilddrüse des Schweins. Daher sind sie weniger für Vegetarier oder Veganer geeignet. Da sie in ihrer chemischen Struktur jedoch den menschlichen Hormonen ähnlicher sein sollen als ihre synthetisch hergestellten Äquivalente (wie Levothyroxin), werden sie von empfindlichen Patienten manchmal besser vertragen. Zudem enthalten sie gut abgestimmte Menge von T3 und T4, was vor allem bei eine gestörten Aktivierung von T4 zu T3 von Bedeutung ist. Neben homöopathischen Varianten, die nicht verschreibungspflichtig sind, müssen bio-identische Hormone mit substantiellen Hormonmengen vom Arzt verschrieben werden. Viele Patienten stoßen jedoch bei ihrem Endokrinologen auf Unverständnis, wenn sie ihn nach “natürlichen” Schilddrüsenhormonen fragen. Es gibt ganzheitlich praktizierende Ärzte und Heilpraktiker, die auf dieses Thema spezialisiert haben.

 

Therapie mit (hochdosiertem) Jod

Im Bereich der Nahrungsergänzung spielt neben den oben genannten Nährstoffen die Behandlung eines möglichen Jodmangels, sowie die Optimierung der weiteren Nährstoffbilanz eine wichtige Rolle. Vor allem bei der therapeutischen Gabe von Jod tun sich hier zwei Welten unterschiedlicher Therapiekonzepte auf. Während die Einen auf eine Beseitigung des Jodmangels mit den empfohlenen Tagesdosen von etwa 200 µg Jod setzen und teilweise sogar von der zusätzlichen Einnahme von Jod komplett abgeraten wird, sehen die Verfechter der Jodhochdosistherapie die Lösung in der Jodgabe im Milligrammbereich. Letztere Therapieform hat zum Teil erstaunliche Erfolge aufzuweisen, birgt aber auch einige Risiken. Vor allem bei bestehenden Entzündungen kann sich die hochdosierte Jodgabe als kontraproduktiv erweisen. In jedem Fall sollte für so eine Therapie die Begleitung eines erfahrenen Therapeuten gesucht werden. Wer sich vorweg näher mit diesem Thema befassen möchte, dem sei das Buch Jod – Schlüssel zur Gesundheit des Autorenpaars Kyra Hoffmann und Sascha Kauffmann empfohlen.

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