Cholesterinsenker – Nutzen, Nebenwirkungen und Alternativen von Statinen

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Auch wenn Statine als Cholesterinsenker aufgrund positiver Effekte auf die Blutfettwerte verschrieben werden, stehen der gewünschten Wirkung auch zahlreiche Nebenwirkungen gegenüber. Folgender Beitrag nimmt die wichtigsten Fakten rund um die Thematik „Gesundheitliche Risiken durch die Einnahme von Statinen“ anhand von relevanten Studienergebnissen unter die Lupe.


Statine im Kurzportrait

Bei Statinen handelt es sich um eine Gruppe von Medikamenten, die den Cholesterinspiegel senken. Diese werden auch als Cholesterinsynthese-Enzymhemmer (CSE-Hemmer) oder HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren bezeichnet werden. Wirkstoffe, die zu dieser verschreibungspflichtigen Arzneimittelgruppe gehören, lassen sich an der Endung „-statin“ erkennen. In diesem Zusammenhang sind Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin zu nennen. Neben des Einsatzes von Statinen zur Senkung von erhöhten Cholesterinwerten, werden diese auch bei einer Verkalkung der Herzkranzgefäße oder nach einem Herzinfarkt verschrieben. Denn ihnen wird eine hemmende Wirkung auf eine Blutgerinnselbildung an den Gefäßwänden und auf Entzündungsprozesse zugeschrieben.


Der Wirkmechanismus von Cholesterinsenkern

Statine entfalten ihren cholesterinsenkenden Effekt, in dem sie das Enzym HMG-CoA-Reduktase, welches Cholesterin synthetisiert, hemmen. In Folge der Blockierung wird weniger Cholesterin hergestellt und ein höherer Anteil des Nahrungscholesterins aus dem Blut in die Zellen aufgenommen. Durch diesen Mechanismus sinkt das Gesamt-Cholesterin, das LDL-Cholesterin und die Triglyceride im Blut. Darüber hinaus kann das HDL-Cholesterin – welches überschüssiges Cholesterin abtransportiert – leicht erhöht werden. Mehrere epidemiologische Studien weisen angeblich die Wirksamkeit von Cholesterinsenkern zur primären und sekundären Prophylaxe der koronaren Herzerkrankung nach. Kritiker monieren jedoch, dass diese Studien von Pharmaunternehmen finanziert worden seien, die selbst Cholesterinsenker herstellen würden. Auch wird der grundlegende Zusammenhang zwischen erhöhten Cholesterinspiegeln und der Inzidenz von Herzinfarkten mittlerweile von zahlreichen Wissenschaftlern bestritten.


Nebenwirkungen versus Nutzen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in den Industrieländern, wobei 40 Prozent der Deutschen an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall sterben. In diesem Zusammenhang gelten zu hohe Cholesterinwerte als riskant, die durch die Einnahme von Statinen reduziert werden. Der Zusammenhang zwischen hohen Cholesterinwerten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird jedoch wie bereits erwähnt inzwischen bestritten.

Dennoch kamen verschiedene Studienergebnisse zu dem Schluss, dass das Todesrisiko von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter der Gabe von lipidsenkenden Statinen gesenkt werden kann. Im Rahmen der 4-S-Studie (Scandinavian Simvastatin Survival Study) kam man zu dem Ergebnis, dass das Risiko für vaskuläre Ereignisse um 22 Prozent, die Gesamtsterblichkeit um 30 Prozent und das Risiko für einen Infarkttod um 42 Prozent – unter Gabe von Simvastatin – gesenkt werden konnte.

Metaanalysen auf Basis von randomisierten kontrollierten Studien ergaben, dass mit jeder Senkung des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l (39 mg/dl) das Risiko für kardiovaskuläre Probleme relativ um 25 Prozent reduziert wird. Dabei würde der absolute Nutzen von Cholesterinsenkern individuell davon abhängen, wie hoch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die LDL-Senkung ist.

Dem beschriebenen wünschenswerten Effekt stehen allerdings auch gesundheitliche Risiken gegenüber. In diesem Zusammenhang sind die Entwicklung von Diabetes mellitus und Myopathie (Muskelbeschwerden) im Rahmen einer Langzeittherapie zu nennen. Auch das Auftreten eines hämorrhagischen Schlaganfalls wird diskutiert. Diese Nebenwirkungen könnten den möglichen Nutzen der Statine früher oder später ins Gegenteil umkehren. Zählt Diabetes mellitus doch zu einem Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.


Harmlose bis risikoreiche Muskelbeschwerden

Als typische Nebenwirkung bei der Einnahme von Cholesterinsynthese-Enzymhemmern können – in Abhängigkeit des Präparates und der jeweiligen Dosis – Muskelschmerzen auftreten. Dabei kann die Intensität von harmlosen Beschwerden bis hin zur lebensbedrohlichen Zersetzung von Muskelfasern reichen. Um das Risiko zu minimieren, sollte regelmäßig die Höhe des Enzyms Creatinkinase im Blut bestimmt werden, weil dieses im Rahmen der Zerstörung von Muskelfasern freigesetzt wird.

Die Auswirkungen der Cholesterinsenker auf die Muskulatur gelten dann als wahrscheinlicher, wenn höhere Dosen – insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten – eigenommen werden. Je nach individueller Situation kann der Arzt gegebenenfalls ein anderes Präparat verschreiben oder die Dosis – in Abhängigkeit der weiteren medikamentösen Therapie – reduzieren. Falls unter der Einnahme von Statinen die beschriebenen Muskelbeschwerden oder ein dunkler Urin auftreten, sollte dies umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Bei Simvastatin, welches eines der am längsten auf dem Markt erhältliche Statinpräparate ist, spielt auch der zeitliche Aspekt der Einnahme eine Rolle. Laut Expertenaussage ist es empfehlenswert, dieses – und auch andere lipidsenkende Medikamente – abends einzunehmen, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Möglicherweise könnte dies über einen niedrigeren Blutspiegel am Tag die Muskelbeschwerden reduzieren. Auch unter der Einnahme von Atorvastatin und Rosuvastatin können Muskelschmerzen auftreten, wobei die Reaktion individuell sehr unterschiedlich ist. Fluvastatin gilt als Statin, welches in puncto Muskelbeschwerden die geringsten Nebenwirkungen zeigt.

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Cholesterinsenker erhöhen das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2

Die Einnahme von Statinen kann zu erhöhten Blutzuckerwerten führen. In einer Untersuchung, deren Ergebnisse 2014 in „The Lancet“ veröffentlicht wurden, gingen Wissenschaftler der Frage auf den Grund, warum Statine zu einem erhöhten Risiko für Typ 2 Diabetes führen. Diesbezüglich lag der Fokus auf der Fragestellung, in welchem Ausmaß das erhöhte Risiko als Folge der Hemmung der 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-CoA-Reduktase einzustufen ist. Die Forscher konnten anhand der Ergebnisse aufzeigen, dass die durch die Statine induzierte Hemmung zumindest teilweise für das erhöhte Diabetes mellitus-Typ 2-Risiko verantwortlich ist.


Mitochondriale Schädigungen durch Statine

Auf Basis verschiedener Forschungsergebnisse (u.a. von Richard Deichmann, Carl Lavie, Samuel Andrews/ The Ochsner Journal 2010) konnte gezeigt werden, dass es unter Einnahme von Statinen zu geringeren Konzentrationen an Coenzym Q10 im Serum – und teilweise auch im Muskelgewebe – kommt. Als wichtiger Faktor bei der mitochondrialen Atmung kann ein Mangel an Q10 zu Funktionsstörungen auf Zellebene und zu neurologischen und myopathischen Syndromen im Sinne einer mitochondrialen Dysfunktion führen.

Laut Dr. med. Look (Internist und Autor des Berichtes der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zu Statinen und Q10) übernimmt das Coenzym – als wichtige antioxidative Substanz – neben der Energiegewinnung eine wichtige Funktion beim Zellschutz vor aggressiven Molekülen. Entsprechend sind alle Organe mit hohem Energiebedarf – wie das permanent schlagende Herz – auf eine optimale Versorgung mit Q10 angewiesen. Diese biochemischen Grundlagen machen es laut Look plausibel, eine Statintherapie mit Q10 zu kombinieren, um einen Mangel der zellschützenden Substanz zu vermeiden.


Weitere Nebenwirkungen von Cholesterinsenkern

Unter einer medikamentösen Therapie mit Statinen kann es zu erhöhten Leberwerten bzw. zu einem Anstieg der Transaminasen kommen. Transaminasen sind Enzyme, die bei undichten Zellmembranen ins Blut gelangen können. Um diese Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, sollte die Leberfunktion regelmäßig kontrolliert werden. Darüber hinaus wird von Kopfschmerzen, gastrointestinalen Störungen, Hautirritationen, Juckreiz und Mundtrockenheit berichtet. Gleiches gilt für Schlafstörungen, Neuropathie (Erkrankung der peripheren Nerven) und für das Auftreten einer Cheilitis (Lippenentzündung).

Unter der Einnahme von Simvastatin wurden thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (u. a. ein Thrombozytenmangel) und Impotenz beobachtet. Nach der Medikation mit Atorvastatin kam es zu einem Lyell-Syndrom (blasenbildende Hauterkrankung) und zu Thrombozytopenien (Thrombozytenmangel). Unter Gabe von Lovastatin und Simvastatin wurde ein Lupus-ähnliches Syndrom (entzündlich-rheumatische Erkrankung) beschrieben, davon eins unter Fluvastatin mit tödlichem Ausgang.

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Alternativen zur Statintherapie

Aufgrund der beschriebenen Nebenwirkungen kommt die Frage auf, inwiefern die Dosis von Statinen und das gesundheitliche Risiko reduziert werden können und welche Alternativen es gibt. Laut Fortbildungsbericht “Grenzen und Alternativen einer Statintherapie” (Der Allgemeinarzt 17/2014) kann bei einer Statin-assoziierten Myopathie die Gabe – neben eines Wechsels auf langwirksame Statine in niedrigerer Dosis – von Ezetimib (Cholesterinsenker der Gruppe der Azetedone) oder von Gallensäurebindern sinnvoll sein. Gleiches gilt für eine mögliche LDL-Apherese (Rückführung des von LDL gereinigten Blutes) und die gleichzeitige Applikation von Gallensäurebindern und Fibraten (Carbonsäuren). Allerdings zeigen auch Fetthemmer außerhalb der Gruppe von Statinen Nebenwirkungen.

Da nach neuster Studienlage Triglyceride nach LDL als zweitwichtigster Risikofaktor unter den Blutfetten für Herz-Gefäß-Krankheiten gelten, ist auch ein gesunder Lebensstil empfehlenswert. Denn die Triglyceride-Werte im Blut lassen sich sehr gut durch sportliche Aktivität, den Abbau von Übergewicht sowie einen verringerten Zuckerkonsum senken. Gleiches gilt für die reduzierte Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und Alkohol. Darüber hinaus ist es sinnvoll, einen möglichen Typ-2-Diabetes gut einzustellen, um die Triglyceride zu senken. Dr. Bodo Kuklinski empfiehl die sogenannte LOGI-Kost – eine spezielle Form der Low-carb-Ernährung zur Senkung der Blutzucker- und Triglyceridwerte. Eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren und die Einnahme von Olivenblattextrakt können zudem einen regulierenden Einfluss auf den Blutfettspiegel haben. Während ein aktiver Lebensstil auch erhöhte LDL-Werte im geringen Umfang reduzieren kann, profitieren insbesondere Herz und Gefäße von sportlicher Betätigung.

 


Quellen

Kuklinski B.: Mitochondrien – Symptome, Diagnose und Therapie. Aurum Verlag, 2. Auflage 2016

Randomised trial of cholesterol lowering in 4444 patients with coronary heart disease: The Scandinavian Simvastatin Survival Study (4 S).The Lancet. Vol 344 November 1994

Deichmann R. et al: Coenzyme Q10 and Statin-Induced Mitochondrial Dysfunction. The Ochsner Journal 2010 Spring; 10(1): 16–21.

Swerdlow DI. et al.: HMG-coenzyme Areductase inhibition, type 2 diabetes, and bodyweight: evidence from genetic analysis and randomised trials. The Lancet. 2014; doi:10.1016/S0140-6736(14)61183-1.

 

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